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    Blogtalk-Serie: Der Zustand unserer Welt – Die Zukunft unserer Welt

    Von Bronski am 11. Oktober 2010 | Abgelegt unter: Blogtalk

    Haben auch Sie das Gefühl, dass wir das große Ganze aus dem Blick verlieren? Integration, Stuttgart 21, Laufzeitverlängerung für AKWs – große Themen. Doch es gibt noch größere Themen. Themen, die nicht nur die Zukunft unserer Gesellschaft betreffen, sondern die Zukunft unserer Zivilisation. Daher beginnen wir am kommenden Montag, dem 18.10.2010, unsere Blogtalk-Serie

    Der Zustand unserer Welt – Die Zukunft unserer Welt

    mit einem Blogtalk, zu dem wir Marita Wiggerthale von Oxfam und Roman Herre von FIAN eingeladen haben. Thema dieses ersten Blogtalks: Ungleichgewichte im Welthandel. Ein zweiter Blogtalk wird am 14.11.2010 gestartet; Gesprächspartner dann: Sven Giegold, EU-Parlamentarier der Grünen. Das Thema wird rechtzeitig hier im FR-Blog angekündigt.

    Ungleichgewichte im Welthandel also. Das ist nur scheinbar ein trockenes Thema. In Wirklichkeit geht es um unser tägliches Leben. Von der EU-Agrarpolitik etwa bekommen wir alle etwas mit, auch wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind. Stichwort Milchpreis. Oder, aktuell: Erst in der vergangenen Woche hat EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos ein Papier vorgelegt, in dem über ein Umsteuern in der Agrarpolitik nachgedacht wird. EU-Subventionen sollen ab 2013 stärker an gesellschaftliche Leistungen wie Umweltschutz und geschaffene Arbeitsplätze gekoppelt werden. Das Papier ist noch unscharf und widersprüchlich und lässt viele Fragen offen: Was ist z.B. mit den Exportsubventionen für EU-Produkte, die zu teils existenzbedrohenden Verwerfungen in der Landwirtschaft armer Länder führen? Diese Exportsubventionen werden uns im Blogtalk interessieren. Die EU steht mit solchen Maßnahmen übrigens nicht allein; auch die USA unterstützt Teile ihrer Landwirtschaft mit Subventionen (besonders anschaulich zu sehen am Beispiel Baumwolle), während sie andererseits für freie Märkte und Freihandelszonen eintritt.

    Die Weltbevölkerung wächst ständig. Gleichzeitig schrumpft die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, nehmen die Wüsten wegen extensiver Flächenbewirtschaftung zu (Weidewirtschaft). Besonders handgreiflich ist dieses Problem in der Sub-Sahel-Zone Afrikas und im Westen Chinas zu beobachten. Doch die Industriestaaten, allen voran die USA, setzen große und immer größere Flächen zur Produktion von Pflanzen für Biokraftstoffe ein. Eine Folge: Die Nahrungsmittelpreise klettern weltweit, und immer mehr arme Menschen können sich kaum noch das Lebensnotwendigste leisten. Gleichzeitig haben wir uns an bestimmte Preise von Kaffee und Schokolade gewöhnt. In Uganda wurden kleine Kaffeebauern von ihren Ländereien verdrängt. In der Elfenbeinküste, dem wichtigsten Kakao-Produzenten weltweit, werden Kinder zu Sklavenarbeit beim Pflücken gezwungen. Wie wirkt unser Verbraucherverhalten auf solche Entwicklungen? Wie wirken WTO, IWF und Freihandelszonen wie NAFTA?

    Nicht zur Agrarpolitik, aber zur Welthandelsthematik gehören die “Exportproduktionszonen” (EPZ) in vielen Entwicklungsländern, in denen Menschen für niedrigste Löhne Kleidung für die Konsumenten in den Industrieländern anfertigen. Vor zwei Monaten macht der Textildiscounter KiK in dieser Hinsicht Schlagzeilen (hier zu einem ARD-exklusiv-Beitrag in der ARD-Mediathek). Unvergessen ist auch die Kritik an Produktionsmethoden zahlreicher multinationaler Konzerne, die keine eigenen Fabriken unterhalten, sondern Aufträge rund um die Welt an Unternehmen vergeben, die in den EPZs produzieren – sehr oft unter Nichteinhaltung nationaler Bestimmungen wie z.B. gesetzlicher Mindestlöhne.

    Ebenfalls hierher gehören Fragen nach der Rohstoffgewinnung. Tantal etwa, ein seltenes Element, wird für die Produktion elektronischer Güter notwendig gebraucht. Ein Fünftel der Weltproduktion stammt aus dem Kongo, wo das Ausgangserz Coltan reich vorhanden ist. Doch die Lagerstätten liegen im rohstoffreichen Osten des Landes, wo neben Coltan auch Gold, Wolfram und Zinn abgebaut werden. Vielfach kontrollieren bewaffnete Gruppen den lukrativen Bergbau; die Einnahmen aus diesen Geschäften stecken sie teilweise in Waffen, und so sorgt das Coltan-Geschäft für anhaltende Destabilisierung der Region. Im Gesetz zur Neuordnung der US-Finanzmärkte, das Präsident Barack Obama im Juli in Kraft gesetzt hat, findet sich eine Passage zu Kongos Rohstoffen. Alle an US-Börsen gehandelten Unternehmen müssen demnach in einem jährlichen Bericht auflisten, ob sie Bodenschätze aus dem afrikanischen Staat verwenden. Die Berichte müssen die Firmen auf ihrer Webseite veröffentlichen. Das Verfahren setzt darauf, dass namhafte Hersteller nicht als Produzenten von “Bluthandys” gesehen werden wollen. Es handelt sich in gewisser Weise um eine Marktregulierung, da Käufer solcher Güter durch ihre Kaufentscheidung Druck ausüben können.

    Das Thema wurde hier nur umrissen, um klarzumachen, wie komplex es ist. Sicher werden wir im Blogtalk nicht alle Fragen stellen können. Einige Frage aber wollen wir immer im Hinterkopf behalten:

    Wenn man unterstellt, dass Märkte das effizienteste Mittel zur Güterverteilung sind, das wir besitzen – wie kommt es dann, dass diese Güterverteilung so verläuft, dass fast ausschließlich wir in den reichen Ländern davon profitieren? Wie effizient sind freie Märkte, und wie frei sind die Märkte heute wirklich? Welche Regulierungen, welche Anreize wären global nötig, um zumindest Nahrungsmittelsicherheit auch für die Ärmsten zu gewährleisten? Besteht daran überhaupt Interesse?

    Marita Wiggerthale ist Handels- und Agrarreferentin von Oxfam. Ihre These: “Entwicklung braucht Entwicklungschancen!” Soll heißen: Diese Chancen sind nicht zwangsläufig von vornherein gegeben. Roman Herres Gebiete bei FIAN sind Agrarreform und Agrarhandel. FIAN sagt: “Sich selbst ernähren zu können, ist ein Menschenrecht.”

    Der Blogtalk wird vom 18. bis 22.10. laufen. Seitens der FR kommen die Fragen von Tobias Schwab und Lutz Büge. Sie, liebe Blog-Userinnen und -User, können wie gehabt ebenfalls Fragen vorbringen.

    Dieser Thread hier kann einerseits zur Vorbereitung dienen, d.h. das vorgestellte Thema kann vorab diskutiert werden. Er soll in der kommenden Woche aber auch der Begleitdiskussion zum Blogtalk dienen. Dieses Verfahren einer vom Blogtalk getrennten Diskussion hat sich in früheren Blogtalks bewährt. Auch Organisations-Fragen können hier vorab geklärt werden.

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    15 Kommentare

    1. # Wolfgang Fladung am 13. Oktober 2010 um 18:00:

      Hallo Bronski,

      wie Du von mir weißt, ist für mich das primäre Problem, und damit verbunden die Kardinalfrage: Wie machen wir allen Menschen begreiflich, daß wir nur eine Erde zur Verfügung haben, und nicht deren vier, worauf unser hemmungsloser Verbrauch an Ressourcen und Umwelt hinweist. Schöne Worte in Sonntagsreden werden ja bereits seit den Warnungen des Club of Rome in den 70ern geschwungen, ohne konkretes Resultat. Wie viele Konferenzen wurden abgehalten, an wie vielen WTO-Konferenzen und Rio-Tokyo-Kopenhagen-Abkommen gestrickt und die – mageren Ergebnisse – ggf. wieder gebrochen, abgesehen davon, daß diese primär den Erste-Welt-Staaten und vor allem den multinationalen Konzernen nutzten.

      Die Länder der 3. Welt sind doch für die EU, für die USA, Kanada, Australien und jetzt auch für Schwellenländer für China und Indien eher so eine Art gigantischer Selbstbedienungsladen – man bedient sich ungehemmt, beruft sich dabei oft auf dubiose Abkommen, bei denen die Ausgebeuteten kräftig über den Tisch gezogen wurden, gefördert von und paktiert mit korrupten Regierungen und/oder Warlords, welche dann dank Schweizer Konten an der Ausbeutung profitieren. Homo Oeconomicus holzt ab, fischt leer, rottet Arten aus, verdreckt Lebensraum an Boden, Luft und Wasser, und negiert bzw. umgeht die niedrigsten sozialen Standards, soweit überhaupt vorhanden und kontrolliert. Hilfe zur Selbsthilfe gibt es nur von wenigen NGO-Organisationen und wer aufmuckt, wird umgebracht.

      Und wir als Konsumenten wollen nicht verzichten, verzichten auf Produkte ohne Öko-Standard, weil sie billiger sind, auf das Recht, täglich Fleisch und Fisch zu essen, auf das Hinterfragen irgendwelcher angeblicher Nachhaltigkeitssiegel. Durch unser Beharren auf höchstmöglichen Komfort und Luxus, nebst Verfügbarkeit von allem, führen wir täglich die Misere herbei, die wir dann unter Krokodilstränen beklagen. Aber vor allem geben wir ein schlechtes Beispiel, weil unser Wachstumsmodell dann auch von allen anderen eingefordert wird, z.B. von China.

      Und dazu kommt als Verstärker das exponentiell steigende Bevölkerungswachstum, weil jeder neugeborene Erdenbürger – mit Recht – all das für sich einfordert, zumindest als Basisvoraussetzung fürs (Über-)Leben, was für uns schon längst selbstverständlich geworden ist. Und so wachsen wir in die Katastrophe hinein, und retuschieren höchsten ein bißchen hinsichtlich Nachhaltigkeit, eher wohl eine Art Green-Washing.

      Gedankenlosigkeit, St.-Florians-Prinzip, Egoismus, mehr-mehr-Gier? Wohl eine Mischung von allem. Und ich glaube nicht mehr daran, daß wir einen Ausgang, wohl eher Notausgang, finden werden. Aber vielleicht tauchen in der Debatte ja interessante Ideen auf.

    2. # Lutz Büge am 14. Oktober 2010 um 17:29:

      @ Wolfgang

      Na endlich gibt es zu diesem Thema die erste Wortmeldung. Duzen wir uns auch? Ist ja bloglike.

      Ich bin gerade u.a. damit beschäftigt, den Blogtalk vorzubereiten, und ich denke, dass es spannend wird. Wer sich einmal auf den Seiten von Oxfam und FIAN umgetan hat, erkennt schnell, dass dieses NGOs dem Regierungshandeln sehr, sehr kritisch gegenüberstehen. Regierungshandeln, damit meine ich auch solches auf internationaler Ebene, nicht nur bilateral mit einzelnen Staaten, sondern etwa in der WTO.

      Eine skeptische Grundhaltung, lieber Wolfgang, ist sicher angebracht, aber man sollte es vielleicht auch nicht übertreiben. In der Tat kommt es darauf an, allen Menschen begreiflich zu machen, “daß wir nur eine Erde zur Verfügung haben, und nicht deren vier, worauf unser hemmungsloser Verbrauch an Ressourcen und Umwelt hinweist”, wie Du geschrieben hast. Es gibt in dieser Hinsicht überall kleine Hoffnungspflänzchen. Beim deutschen Verbraucher ebenso wie in zahlreichen NGOs. Denn von denen gibt es mehr, als Du vielleicht denkst. Gerade in den letzten zehn, zwanzig Jahren ist eine Zivilgesellschaft entstanden (und entwickelt sich weiter), die vielleicht sogar irgendwann einmal Gegengewicht sein kann zu den multinationalen Konzernen. Deren Treiben will ich zusammen mit Tobias Schwab im Blogtalk ab Montag ebenfalls kritisch hinterfragen, also nicht nur das Treiben der Regierungen oder der multinationalen Organisationen wie WTO, IWF oder Weltbank.

      Oxfam und FIAN sind Teil dieser Zivilgesellschaft, und da, wo nationale Regierungen an ihre Grenzen stoßen, können diese Organisationen weiter wirken, weil sie ebenso multinational sind wie viele Konzerne. Ich denke, diese globale Zivilgesellschaft sollte man nicht unterschätzen. Da sitzen etliche kluge Köpfe, deren Einfluss weiter wachsen könnte. Das sind auch so Fragen, die mich interessieren und die ich ab Montag stellen werde.

      Was ich jetzt schon ankündigen kann: Die Blogtalk-Serie hat ja zwei Fragestellungen. Sie fragt nach dem Zustand und nach der Zukunft. Demgemäß möchte ich erstmal eine Bestandsaufnahme zum Welthandel machen, um die Probleme und Ungerechtigkeiten zu benennen. Da geht es um Themen, gegen die Debatten wie die um Sarrazin/Seehofer wie peinlich-deutsche Nabelschau wirken. Für mich sind das nur Stürmchen im Wasserglas, verglichen mit den wahren Problemen dieser Welt. Es geht um hunderte Millionen Hungernder, es geht um eine steigende Zahl von “failed states”, die auch das Sicherheitsbedürfnis der Europäer berühren, es geht um zahlreiche regionale Kriege, von denen wir in Deutschland kaum etwas mitbekommen, weil Sarrazin, Wilders und Co. die mediale Lufthoheit errungen haben, es geht um bevorstehende Flüchtlingsströme, gegen die alles bisher Gewesene nichts sein wird, und letztlich stehen hier auch die Werte unserer deutschen Gesellschaft auf dem Spiel, denn man muss sich fragen: Gelten diese nur für den elitären Club der Deutschen, koste es den Rest der Welt, was es wolle?

      Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Es muss wohl besser heißen: des deutschen Menschen, denn ansonsten haben auch deutsche Produzenten mit Unterstützung der EU eine Menge dazu getan, die Menschenwürde in den Dreck zu treten. Nur ein Beispiel: Die deutsche Tierhaltungswirtschaft profitierte von der EU-Politik, subventioniertes EU-Hühnerfleisch nach Afrika zu exportieren. Dort zog diese Politik den Zusammenbruch der regionalen Tierhaltungswirtschaft nach sich. Existenzen wurden vernichtet, beispielsweise in Kamerun – mit der Hilfe der EU. Jedenfalls bis die Afrikaner sich zu wehren begannen. (Auch dies ist übrigens ein Beispiel für das Entstehen einer Zivilgesellschaft, aber dazu mehr konkret im Blogtalk).

      Tobias Schwab und ich wollen ab Montag versuchen, mit Marita Wiggerthale und Roman Herre einen Blick auf die globale Realität zu werfen. Es kann sein, dass das Ergebnis so deprimierend ist, wie Du, Wolfgang, es vorwegzunehmen scheinst. Es kann aber auch sein, dass das Ergebnis optimistischer ist, als Du es bist. Eine Einstellung a la “Es ist sowieso alles zu spät” ist für mich als Journalist jedoch nicht hilfreich. Dann könnten wir uns alle auch gleich kollektiv die Kugel geben. Also gilt: Information hilft!

      Ich werde hier nachher die Grundstruktur unseres Fragenkatalogs veröffentlichen. Vielleicht magst Du trotz Deiner pessimistischen Grundhaltung auf Probleme hinweisen und Fragen beisteuern?

    3. # Wolfgang Fladung am 15. Oktober 2010 um 13:55:

      Hallo Lutz,

      sorry für das “Du”, natürlich wäre auch ein “Sie” angesagt, da wir uns ja nur über Blogs bzw. Mails kennen. Aber zur Sache:

      Es liegt wohl daran, daß ich zwei Lebensjahrzehnte mehr auf dem Buckel habe, und mir, innerhalb meines aktiven politischen Engagements (welches ich schon beschrieben hatte) und meiner zusammengetragenen Infos, wohl die Lust zum Apfelbäumchen-Pflanzen abhanden gekommen ist. Manchmal kam und komme ich mir vor wie eine Mischung aus Michael Kohlhaas und Don Quixotte, mal mit, mal ohne Sancho Pansa(s).

      Natürlich gibt es weltweit immer wieder eine Oase, und auch vereinzelt Länder, in denen die Situation besser zu sein scheint. Aber durch die inzwischen hochbrisant gewordene Mischung aus Korruption, Macht- und Geldgier, Unfähigkeit, verbunden noch mit den klimatischen Veränderungen sehe ich schon seit Jahren eine sich immer mehr beschleunigende Abwärtsspirale, welche durch das von mir zitierte Bevölkerungswachstum sich noch schneller dreht.

      Wurde die Zahl der Hungernden, Kranken, der Menschen ohne sauberes Wasser, reduziert? Hat sich das verfügbare tgl. Einkommen verbessert? Sind die Lebensbedingungen, einschl. der Sicherheit vor Verfolgung und Unterdrückung, besser geworden? Auch wir hier in Old Germany merken doch seit Jahren, wie der Großteil der Bevölkerung mehr abdrücken muß zu Gunsten eines Fünftels am oberen Ende der Einkommensscala – und uns dies von unfähigen und/oder korrupten Politikern noch als “Reform” und “alternativlos” verkauft wird. Wenn ich mir die Situation der USA in manchen Landstrichen, soweit ich dies aus den Medien mitbekomme, anschaue, bewegt sich die USA Richtung Dritte Welt. Da wir ja gerne den American Way of Live nachmachen, befürchte ich, daß auch uns bald nicht American Dreams, sondern American Nightmares bevorstehen.

      Warum wohl diese überall in Europa erstarkten Rechtspopulisten und Neofaschisten (siehe Ungarn)? Warum dauernd – zunehmend gelungene – Versuche, die Bevölkerung zu spalten, in Morgen- und Abendländer, alt und jung, Arbeitende und Arbeitslose, progressive zukunftsgläubige Neoliberale und angeblich ewig-gestrige besitzstandswahrende Ökos? Wir machten uns in den 70ern über das “progressiv-dynamisch” lustig. Heute machen sich, siehe Stuttgart 21, die Befürworter, also die mit eingebauter Zukunft, lustig über die Totalverweigerer und Bremser, eigentlich im Wortsinne die wahren Konservativen.

      Ich staune immer wieder, wenn ich die neuesten Zahlen der Meinungsforschungsinstitute mir anschaue, wo innerhalb des letzten Jahres all die abgeblieben sind, welche ihr Kreuz bei schwarz-gelb gemacht haben – ausgestorben, ausgewandert? Und ich staune, wenn ich mich so im Freundes- und Bekanntenkreis umhöre, wie elegant man einen Bogen schlagen kann, wenn es darum geht, die eigenen Aktionen mit den Bekenntnissen für eine nachhaltig-ökologische Lebensweise in Einklang zu bekommen. Da gibt es dann die tollsten Argumente, warum in den Herbstferien nach Spanien geflogen wird oder warum der letzte Autokauf doch volumenmäßig etwas größer geraten ist, oder dann doch anstelle eines Öko-Strom-Anbieters der billigere E-wie-einfach-Tarif gewählt wurde.

      Und deshalb habe ich auch so wenig Hoffnung.

    4. # Lutz Büge am 15. Oktober 2010 um 17:17:

      @ Wolfgang

      Es gibt keinen Grund, sich für das Du zu entschuldigen. Mir ist das persönlich in der Regel angenehmer.

      Hier kommt umrisshaft der Themen- und Fragenkatalog, über die wir ab Montag mit Frau Wiggerthale und Herrn Herre sprechen wollen, geteilt in Bestandsaufnahme (Zustand unserer Welt) und Perspektive (Zukunft unserer Welt). Anregungen sind erwünscht!

      1. Der Zustand unserer Welt

      Einstieg mit zwei konkreten Fällen, in denen Ungleichgewichte in der Landwirtschaft zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern offensichtlich werden: Baumwolle (Vergleich zwischen USA und Burkina Faso, dazu O-Töne zweier Landwirte aus diesen Ländern) und Lebensmittel (“Keine chicken schicken”, Aktion des EED vor einigen Jahren, Verhältnis EU/Kamerun). Wie schädigen hochsubventionierte Landwirtschaften in Industrienationen die Landwirtschaften in Entwicklungsländern konkret?

      Entwicklung der Flächennutzung: Biospritboom in den USA, Sojaanbau in Brasilien, Landgrabbing und die Folgen für die Preise von Grundnahrungsmitteln

      Rolle der multinationalen Konzerne (nicht nur Monsanto, aber da Gentechnik wohl weiter auf dem Vormarsch ist, sollten wir hier auch nachfragen). Was konnten regionale Kooperativen dem Druck der Konzerne bisher entgegensetzen? Sind Kleinbauern den Multis hilflos ausgesetzt? Beispiele: In Uganda mussten Kaffeebauern den Kaffeemultis weichen. In Elfenbeinküste pflücken Kindersklaven Kakaobohnen

      Rolle der Supermarktketten (Großeinkäufer, Preisdruck)

      Exportproduktionszonen in den Entwicklungsländern unterlaufen häufig nationale gesetzliche Bestimmungen beispielsweise beim Mindestlohn. Viele Multis lassen in diesen EPZs produzieren, statt eigene Werke zu fahren – was eigentlich in ihrem Interesse wäre, da sie die Konsumbasis in den Ländern stärken würden, in denen sie hauptsächlich ihre Umsätze machen. Viele Multis haben freiwillig Codexe entwickelt, um Gerechtigkeitsfragen … auszuweichen?

      Einschätzung der früheren und der aktuellen Entwicklungshilfe (“Hilfe zur Selbsthilfe”). Was ist besser: bilaterale Vereinbarungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, wie sie jetzt von der Bundesregierung bevorzugt werden, oder multilaterale, für alle verbindliche Vereinbarungen etwa im Rahmen der WTO

      Ist Organisationen der WTO überhaupt zu trauen, wenn sie doch in der Vergangenheit mehr den Nutzen für die Industrienationen im Auge hatten und weniger die Gerechtigkeitsfrage (Grundrecht auf Nahrung)

      Stehen hinter dem Handeln von WTO, Weltbank und IWF ausschließlich nationale Regierungen, oder machen auch Konzerne hier Einfluss geltend? Wenn ja, über welche Organisationen?

      Müssen nicht die Regierungen der armen Länder selbst mehr tun, z.B. bei der Korruptionsbekämpfung? Oder ist “good governance” der Versuch der Geberländer, sich aus der Verantwortung zu stehlen?

      Bewertung des Welternährungstages: Viele schöne Reden?

      2. Die Zukunft unserer Welt

      Angesichts von Überweidung, Desertifikation, Nutzung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen nicht zur Nahrungsmittelproduktion und angesichts gleichzeitig weiter wachsender Weltbevölkerung – wie soll Nahrungsmittelsicherheit für alle Menschen erreicht werden? Wäre es nicht sinnvoll, vor allem erstmal Programme zur Bevölkerungsregulierung aufzulegen? Wenn ja, wer könnte dies tun?

      Reformen der Märkte (Agrar, EPZs)

      Einfluss der Zivilgesellschaft: Der einzelne Verbraucher im Westen trägt viel dazu bei, dass die Strukturen im Welthandel so sind, wie sie sind. Die Menschen kaufen “Bio” vom Discounter, der möglicherweise Knebelverträge mit Lieferanten ausgehandelt hat, andererseits ist die Spendenbereitschaft weiterhin groß. Fairer Handel statt Spenden?

      Ausblick: Realistische Einschätzungen der Zukunftsfähigkeit der Spezies Mensch

    5. # Wolfgang Fladung am 16. Oktober 2010 um 14:54:

      Hallo Lutz,

      zum Punkt 2, “Die Zukunft unserer Welt”, sollte ein wichtiger Aspekt mit berücksichtigt werden. Wir hatten das Thema schon einmal am Wickel: Peak Oil. Richard Heinberg hat 2008 seinen 2003 erschienenen (Best-?)Seller “The Party’s Over” überarbeitet und ergänzt. Erschienen ist die deutsche Ausgabe im gleichen Verlag, unter dem Titel “Öl-Ende. The Party’s Over – Die Zukunft der industrialisierten Welt ohne Öl”. Interessant auch die z.T. auf Tatsachen, z.T. auf dichterische Fiction beruhende Beschäftigung mit dem Thema bei Andreas Eschbach “Ausgebrannt”, erschienen 2007.

      Warum werden die Förderquoten, und damit Hinweis auf sinkende Ergiebigkeiten der existierenden Quellen, nicht von der OECD veröffentlicht? Wikipedia meint dazu, Zitat:

      Kritiker dieser Reservenangaben weisen allerdings darauf hin, dass die meisten der Reserven aus Nicht-OECD-Ländern keiner unabhängigen Kontrolle unterliegen (siehe Fußnoten des BP-statistical review). Oft unterliegen (wie in Saudi-Arabien) alle Angaben zu Förderdaten einzelner Felder und Reserven dem Staatsgeheimnis. Daher unterstellen Kritiker diesen Zahlen eine Verfälschung. Vielen OPEC-Förderländern wird auch unterstellt, die Reserven zu optimistisch anzugeben, da die zugeteilten Förderquoten abhängig von den gemeldeten Reservemengen sind.

      Mit dem Thema beschäftigen sich inzwischen, siehe die AMAZON-Hinweise, auch andere Autoren. Für mich sprechen für das Erreichen des PEAK OIL eher die Klimmzüge, die allenthalben auf der Welt gemacht werden: riskante Tiefseebohrungen, gigantische Umweltvernichtung durch Abbau kanadischer Ölsände, die Hintergründe für den Irak-Krieg und vorher die Frage, warum ausgerechnet als einziges Flugzeug am 9/11 eine Maschine mit Bin-Laden und saud. Königshaus-Angehörigen starten durfte.

      Wir können Strom und Wärme anders erzeugen, als mit Öl. Wir können PKWs auch mit E-Motoren antreiben. Bei nachwachsenden Rohstoffen wird es schon kritisch, weil dafür Maschinen und Dünger benötigt werden. Und was ist mit dem Antrieb von Schiffen, Flugzeugen, Baumaschinen, landwirtschaftlichen Geräten usw.? Wie wird unser Hunger nach Plastik, Dünger, med. Produkten, Baumaterialien usw. ohne Öl gestillt? Was bedeutet das für Schwellenländer und Dritt-Welt-Länder?

      Ich fände es gut, wenn dies im kommenden Blog mitbehandelt würde

    6. # CosmicPirat am 16. Oktober 2010 um 18:31:

      Wow, klingt spannend !

      Themenvorschläge:

      Materialforschung:
      Graphen ,Multiferroika.
      Die Natur für die Produktion nachhaltiger Stoffe als Vorbild nutzen: Haifischhaut,Lotuseffekt,Spinnenseide.

      medica mondiale, Monika Hauser.

      EU Agentur Frontex und die europäischen Außengrenzen.

      Xe Services LLC (Blackwater).

      Maras Bande, Christian Poveda.

      Ciudad Juarez.

    7. # CosmicPirat am 16. Oktober 2010 um 18:39:

      Elinor Ostrom: Gemeingütermanagement—eine Perspektive für bürgerschaftliches Engagement (Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action).

    8. # hans am 16. Oktober 2010 um 19:12:

      Ich mochte mich hier auch zu Wort melden und nach dem hier einige negative Aussichten angekündigt wurden auf die Ziele die der leider zu früh verstorbene Hermann Scheer verfolgt hat hinweisen. Die Zukunft positiv zu gestalten wird zu einem großen Teil eine Frage der preisgünstigen Bereitstellung von Energie sein. Bei diesem Thema ist es in den letzten Jahren gelungen große Vortschritte zu erzielen so das man davon ausgehen kann das z.B. das Bewässern von Wüsten mit preiswertem Solarstrom keine utopische Vorstellung mehr ist. Deshalb bin ich überzeugt das die Wende zum Guten möglich ist.

    9. # Alan Mitchman am 17. Oktober 2010 um 14:06:

      Liebe FR,

      überall in Frankfurt sehen wir Plakate und Werbung der Bundesregierung
      für “Wachstum” und “Existenzgründung”.

      Das sieht gut aus, aber am Ziel “Wachstum” zweifle ich: Wie weit
      kann die Menschheit noch wachsen? Wie viel Ressourcen hat die Erde
      noch? Und bezüglich “Existenzgründung” muss man sich fragen ob eine
      Existenzgründung für junge Leute überhaupt noch möglich ist: Der Markt
      (alle Märkte) sind von Quasi-Monopolen beherrscht (z.B. REWE, Starbucks
      & Co.) und es bleiben nur “Randaktivitäten” für neu gegründete Unternehmen.

      Also das sind nette, positive Werbungen aber sie haben absolut keine
      Bedeutung, wenn man sich mit den Grundsatzthemen nicht auseinandersetzt.
      Also die Regierung sollte noch ein paar Hausaufgaben machen.

    10. # Wolfgang Fladung am 17. Oktober 2010 um 15:05:

      Ich bin überzeugt, daß sich hier mindestens zwei polarisierende Meinungen abbilden werden. Ich selbst würde mich als “pessimistischen Realisten” bezeichnen. Natürlich gibt es immer wieder hervorragende Beispiele für Menschen, die gegen alle Widerstände ihren Weg gingen, weil sie einfach von ihrem “guten Weg” überzeugt waren. Auch der, für mich zu früh verstorbene, Hermann Scheer gehörte sicherlich dazu. Es gibt Friedensnobelpreisträger, nicht nur Barack Obama (bei dem ich immer noch frage, für welchen “Frieden” der den Preis erhalten hat), und Träger des alternativen Nobelpreises (wie Scheer). Es gab Albert Schweitzer, Mahatma Gandhi, Petra Kelly, Nelson Mandela, und viele 1000 Helfer in den unterschiedlichsten Organisationen, welche alle auf ihre Weise viel Gutes taten, vieleicht frei nach Kästners Spruch: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”.

      Aber selbst wenn sich ihre Zahl verzehnfachen würde – kämen sie an gegen das Böse, welches oftmals auch in den vermeintlich Guten und ihren Taten steckt, nach dem Motto: Gut gemeint ist nicht gut gemacht? Wie weit funktioniert weltweit die HUMANITAS? Wieviele starben im 20. Jahrhundert aufgrund von Kriegen, Despotentum, Seuchen, Hungersnöten, Genoziden – und wie viele wurden durch die “Guten” davor bewahrt? Ist nicht die dem Menschen inne wohnende Gier nach dem “Mehr” eine viel größere Macht, vor allem wenn sie sich – oft gerne – mit politischer und wirtschaftlicher Macht verbindet, und daher im Resultat für jedes der Wüste abgerungene Pflänzchen woanders hektarweise Land zur Wüste gemacht wird (und das gilt auch, im übertragenen Sinne, für das Meer).

      Wir kennen alle die ursprüngliche gute Idee der Mikrokredite. Weil hier auch Großbanken gute Geschäfte witterten, wurde die Idee inzwischen pervertiert, weil dann gerade die Frauen, welche mit anderen sich zu einer kleinen Bedarfsgemeinschaft zusammenschlossen, bei stockender Rückzahlung eben nicht die Solidarität einer Notgemeinschaft erfuhren, sondern als Parias ausgegrenzt wurden.

      Um die Welt weiterzubringen, bedürfte es wirklich ernsthafter internationaler und nationaler Solidarität, nicht nur als Spender im mediengerecht aufgestyltem Katastrophenfall. Für die leisen, still ablaufenden Katastrophen interessiert sich dann, bis auf ein paar Eingeweihte, niemand.

      Würden wir ernsthaft herangehen an alle weltweit existierenden Baustellen, müßten wir zunächst unsere Lebensart grundsätzlich in Frage stellen, und das bitte ohne Ablaßhandel, wie den unsäglichen Kleinbeträgen, die zur Gewissensberuhigung bei Flugreisen für Öko-Projekte abgedrückt werden. Dazu zählt

      - unser Umgang mit Mobilität
      - unsere Konsumgewohnheiten bzw. Bedarfe an Nahrung, Kleidung, Wohnung
      - unser Herabschauen auf andere, die dann irgendwie, aufgrund falscher Herkunft, falscher Kultur, falschem Job oder anderer Auffälligkeiten als degoutant gelten
      - und unser Umgang mit Wachstum allgemein, weil eben auch qualitatives Wachstum immer noch Wachstum (und damit Schwund in anderen Bereichen) bedeutet.

      Zum Thema “Bevölkerungswachstum”, welches eigentlich hier dazu gehört, könnte ich mir auch eine eigene Debatte rund um die Thesen des brit. Nationalökonomen Malthus vorstellen.

      Derzeit wird so viel, im Gefolge von Stuttgart 21, debattiert, daß bei uns demnächst keine Großprojekte mehr möglich seien, und daher sich auch Gegnerschaften bei sinnvollen Projekten, wie neuen Stromleitungen zum Transport von Ökostrom, herausbilden würden. Wie wäre es, begleitend darüber nachzudenken, wieviel und wofür wir künftig Strom brauchen, und ob nicht der benötigte mehr als bisher dezentral erzeugt werden könnte, genauso wie unser Wärmebedarf?

    11. # Lutz Büge am 17. Oktober 2010 um 17:02:

      @ all

      Ich möchte versuchen, die Erwartungen ein klitzekleines bisschen zu dämpfen. Frau Wiggerthale und Herr Herre sind Expertin/-e ihrer Organisationen mit Schwerpunkt auf Welthandel und hier vor allem Agrarhandel. Ich weiß nicht, ob sie zu Peak Oil auch etwas sagen können; zu Zukunftstechnologien, wie von CosmicPirat hier eingebracht, jedenfalls bestimmt nicht. Das soll in diesem Blogtalk aber auch gar nicht das Thema sein. Die Anregung finde ich trotzdem gut, CosmicPirat, und da wir nun ja eine ganze Serie von Blogtalks zum Thema “Der Zustand unserer Welt – Die Zukunft unserer Welt” beginnen, kann ich mir gut vorstellen, dieses Thema in einem eigenen Blogtalk gesondert aufzugreifen.

      Auch um alternative Wirtschaftsformen wird es in gesonderten Blogtalks noch gehen. Dazu sammle ich hier gern Vorschläge und Wünsche, welche Gesprächspartner dazu eingeladen werden könnten. Ich habe auch schon eine Gesprächspartnerin im Auge, die allerdings von ihrem Glück noch nichts weit. Es handelt sich um die Wirtschaftswissenschaftlerin Adelheid Biesecker. Kann jede/-r mal googeln. ;-)

      Nein, hier geht es um den Welthandel in der aktuellen Form, um die Frage, ob “freie Märkte” wirklich frei sind und wie und warum sie Ungerechtigkeit produzieren. Wir ziehen dieses Thema bewusst am Agrarhandel auf, weil von der landwirtschaftlichen Produktion u.a. die Einhaltung eines der Millenniumsziele der UN abhängt, die Reduzierung des weltweiten Hungers. An diesem Thema hängt vieles. Für 925 Millionen Menschen, die heutzutage noch hungern, ist die Ernährungspolitik das wichtigste Thema überhaupt, weil davon ihre nackte Existenz abhängt.

      Noch einmal: Dies wird der erste Blogtalk einer großen Serie. Erwarten Sie bitte nicht, dass alle Menschheitsprobleme angesprochen werden können. Ich arbeite aber daran, dass die Serie insgesamt durchaus alle Probleme anspricht.

    12. # Schnippsel am 17. Oktober 2010 um 19:13:

      Merkel hat ja gerade wieder einmal das christliche Menschenbild ins Gespräch gebracht. Dazu schreibt Winfried Rademacher [1]:

      “Dies ist eine Folge der Abbildlichkeit des Geschöpfes vom Schöpfer: er besitzt nicht dessen absolute Wesenszüge und kann damit auch irren. Die Theologie spricht hier von der ‘Kreatürlichkeit’ des Menschen. Dies ist im christlichen Verständnis aber eher beruhigend als drohend gemeint: Weil ich nicht absolut (perfekt) sein kann, muss ich auch nicht so sein, sondern darf Fehler machen.

      Diese prinzipielle Sündhaftigkeit des Menschen mag ihren Niederschlag gefunden haben in der Lehre von der Ursünde (Erbsünde). Dazu gehört aber auch noch ein weiterer Aspekt. Es gibt in der Welt Zustände, die an sich sündig sind, an denen aber kein einzelner Mensch Schuld trägt (zu denken wäre etwa an die herrschende Weltwirtschaftsordnung etc.). Weil niemand daran selbst schuldig ist, kann auch kein Individuum direkt etwas dagegen tun. Man spricht hier von sogenannter struktureller Sünde.”

      Die Globalisierung überkam uns wie die Magnetstürme der Sonnenflecken, sie war deswegen also “alternativlos“. Da fragt man sich, wozu man überhaupt noch Politiker braucht. Aber schließlich gibt es genug Leute, die solche Luschen immer wieder wählen.

      Tja: wir sind halt arme Sünderlein, doch im Paradies wird’s fein!

      [1] Winfried Rademacher, Das christliche Menschenbild – eine kurze Einführung in eine heilsgeschichtliche Sichtweise
      http://wrade.onlinehome.de/Religion/Menschenbild.htm

    13. # ibrahim kaya am 19. Oktober 2010 um 21:36:

      die entwicklung der menschheit im gegenwärtigen stadium bedarf eine solidarität die bisher dagewesenen beispiele bei weitem übertreffen muss. es genügt nicht regelwerke aufzusetzen, die dann von findigen durchlöcherern wieder verwässert und unbrauchbar gemacht werden. die voraussetzung für eine nachweisbare qualitative verbesserung der lebensverhältnisse der armen und ärmsten weltweit erfordert einen kulturellen fortschritt in den reichen staaten die es nur bewirken kann, dass in globaler kooperation eine ära des teilens beginnt und endlich die gezänke um vorteile von wenigen auflöst. die kulturelle entwicklung benötigt nicht nur eine kommunikativ vernetzte globale öffentlichkeit sondern auch die prämisse des ethischen verhaltens und planens in allen ebenen des menschlichen lebens und der gesellschaftlichen organisation. es ist mühsam einen flickwerk der durch die neoliberale ausrichtung zerfledderten wohlfahrtsgedankens zusammenzuhalten. wünschenswert ist klare und eindeutige ausrichtung aller politik zum wohle des menschheitsganzen auszurichten worin sich das individuum frei und geschützt entwickeln kann.

    14. # Ute Plass am 26. Oktober 2010 um 14:31:

      Solange wir als (Welt)Gesellschaft uns nicht mit der Frage: “Wem gehört die Welt”, also mit den vorherrschenden Besitz- und Eigentumsverhältnissen beschäftigen, solange sind all die Überlegungen zu Welthandel und Wirtschaften und vermeintlich freien Märkten ein Zirkulieren innerhalb des bestehenden Systems, deren Spielregeln von ‘oben verordnet ‘ sind. Natürlich bedeutet das nicht, sich der jeweils persönlichen Verantwortung für das Gemeinwohl und die Erhaltung dieses Planeten zu entziehen. Das derzeitige Wirtschaftssystem mit seinen Konkurrenz- und
      blinden Wachstumsgeboten ist darauf angelegt, dass immer ein Teil der Menscheit auf Kosten seiner Mitmenschen lebt. Die Frage ist doch, wie solche Ausschlußmechanismen ausser Kraft gesetzt werden und dem Prinzip der Kooperation zum Wohle aller Geltung verschafft werden kann? Ein wichtiger Anstoss in diese Richtung gibt die Schriftstellerin Daniela Dahn, wenn sie sagt:
      Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, dann muß das Eigentum antastbar sein!

    15. # ibrahim kaya am 26. Oktober 2010 um 17:53:

      eine schwerwiegende und lähmende problematik auf dem weg zur ermöglichung der globalen gerechtigkeit ist das systembezogene denken. das denken welches von vornherein durch ausschluss von bestimten menschen oder gruppen dem eigenen klientel wohlstand und schutz verspricht. dieses denken ist nicht imstande die komlexität des lebens und zusammenlebens zu erfassen deshalb führen ihre handlungen immer an die grenzen dessen, dass sie selbst als das einzig richtige system propagiert. historisch sind viele niederlagen der unterschiedlichsten formen kollektiven aufbrüche eben wegen diesem ausschlussdenken zu beklagen. notwendig für die menschheit und für jeden menschen ist der anschluss an einem positiven wissen, das durch die betrachtende -nicht verletzende- empirie gewonnen wird sowie die schaffung von orten und spontanen möglichkeiten in denen begegnung stattfinden kann um in gesprächen und aktivem miteinander die positiven erkentnisse zu vermehren und zur kreativem umsetzbarkeit ausarbeiten zu können. eine handlung die aus einer indoktrination – egal ob durch aberglaube, organisiertem religon, politik oder gesteuertem wissensindustrie erfolgt fesselt die menschen und hindert sie am anschluss an der unbefangenen weltöffentlichkeit, die frei von jeglicher herrschaftsbezug sich zur aufgabe gestellt hat die meschheit sich selbst bewusst werden zu lassen.

      @Ute Plass

      besitz und eigentum sind an sich in frage zu stellen :-)
      “ich gehöre meinem wesen, mein wesen gehört sich.”