Blattkritik vom 12. März 2010

Freitag, 12. März 2010 um 16:58 Uhr

Ich hatte Euch, liebe Blog-Userinnen und -User, und Sie, liebe Leserinnen und Leser, zur FR-Blattkritik eingeladen. Das Ergebnis ist außerordentlich erfreulich: 170 Wortmeldungen von rund 135 Leserinnen und Lesern gingen bei mir ein, per Mail, Brief, Fax und Blog. Es gab viel Lob und noch mehr Kritik. Von Ausnahmen abgesehen, zeigt sich auch die Kritik übende Leserschaft grundsätzlich zufrieden mit der FR, möchte aber, dass ihre Zeitung noch besser wird. Hier kommt das Protokoll dieser Kritikrunde, in dem ich die Kritik zusammenfasse. Dieses Protokoll wurde der gesamten Redaktion zugesandt, die Inhalte habe ich der Redaktionskonferenz vorgetragen. Außerdem wurde das Schwarze Brett “Leser schreiben der FR” mit den Zuschriften zugepflastert. Ich beschränke mich bei der Wiedergabe hier überwiegend auf die kritischen Stimmen. Reaktionen der Redaktion sind nicht enthalten, sie ist aber angesichts dieser konstruktiven und differenzierten Kritik überrascht. weiterlesen »

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von Bronski

Unter den Stammtischen

Freitag, 12. März 2010 um 16:28 Uhr

Was reitet Hannelore Kraft? Die Spitzenkandidatin der NRW-SPD, die gerade in Meinungsumfragen zu ihrem Kontrahenten und Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers aufgeschlossen hatte, scheint mit ihren Vorschlägen von einfacher und nur symbolisch entlohnter Arbeit für Hartz-IV-Empfänger übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Jedenfalls meinen das die NRW-Grünen, die ihren Wahlkampf durchkreuzt sehen. Krafts Vorschläge seien eine Steilvorlage für die FDP. Von den Liberalen kam prompt Applaus. “Wir müssen endlich ehrlich sein: Rund ein Viertel unserer Langzeitarbeitslosen wird nie mehr einen regulären Job finden”, hatte Kraft gesagt. Dafür müsse so schnell wie möglich “ein Gemeinwohl-orientierter Arbeitsmarkt” aufgebaut werden. Mehrkosten für den Staat entstünden dadurch nicht. “Die meisten Langzeitarbeitslosen werden sich über eine sinnvolle Beschäftigung freuen, selbst wenn sie dafür nur einen symbolischen Aufschlag auf die Hartz-IV-Sätze bekommen.” FDP-Generalsekretärs Christian Lindner erklärte dazu in Berlin, mit den Äußerungen von Kraft gestehe die SPD erstmals ein, dass es im Sozialstaat einen Erneuerungsbedarf gebe. “Wir fordern die SPD auf, in der Tradition von Gerhard Schröder und Wolfgang Clement zu einer Politik des Forderns und Förderns zurückzukehren”, so Lindner. weiterlesen »

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Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil

Freitag, 12. März 2010 um 16:17 Uhr

Der Münchner Nockherberg ist ein Ort, an dem sich die Politik alljährlich die Leviten lesen lässt. Diesmal jedoch ging Fastenprediger und Kabarettist Michael Lerchenberger zu weit. Jedenfalls sieht das Charlotte Knobloch so, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Ddeutschland. Lerchenberger hatte den FDP-Vorsitzenden (und Außenminister) Guido Westerwelle scharf angegriffen: In seiner satirischen Rede, wiedergegeben nach dem Spiegel, sagte Lerchenberger, Westerwelle wolle nun alle Hartz-IV-Empfänger in Ostdeutschland sammeln. “Drumrum ein Stacheldraht, das haben wir schon mal gehabt.” Und über dem Eingang, “bewacht von jungen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen.” Damit habe Lerchenberg eine Grenze überschritten, die nicht hinnehmbar sei, so Knobloch. Mehrere Politiker äußern sich ähnlich. Die FR-Leserinnen und -Leser sehen das jedoch anders. So meint Jürgen Böck aus Wasserburg: weiterlesen »

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Political Correctness

Donnerstag, 11. März 2010 um 17:41 Uhr

Einige Berichte waren in der FR diese Woche etwas missverständlich. Hier die ultimative, selektive und negative Richtigstellung:

Falsch ist, dass Thilo Sarrazin mit den Migranten, die nur Kopftuch-Mädchen produzierten, seine eigenen Vorfahren beschimpfen wollte. Richtig ist, dass zwar die Vorfahren Sarrazins ebenfalls Migranten und möglicherweise Muslims (Sarrazenen) waren, er selbst aber kein Kopftuch trägt. weiterlesen »

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von Roland Bunzenthal

Es gibt an der OSO nichts zu feiern

Dienstag, 9. März 2010 um 23:48 Uhr

Die deutsche Pädagogiklandschaft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Früher, als die Welt noch in Ordnung war, durfte man die jungen Anvertrauten vor, während und nach der Pubertät noch angrabbeln (oder mehr). Man hat ihnen dann gesagt: Behalt das für dich, dir glaubt ja sowieso keiner, du machst dich nur lächerlich, außerdem magst du es doch, nicht wahr? Und schon waren sie ausreichend auf Linie gebracht und behielten für sich, was geheim bleiben sollte. Fast hätte ich gesagt: was unter der Kutte verborgen bleiben sollte, aber jetzt sind ja - nach verschiedenen Berichten aus katholischen Bildungsinstituten - auch an der renommierten, nichtkirchlichen Odenwaldschule, wo die Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern in Familien leben, skandalöse Dinge ans Tageslicht gekommen. Aber die meisten Missbräuche, das ist ganz richtig, passieren bekanntlich in den Familien; da macht die Odenwaldschule offensichtlich keine Ausnahme. Ach ja, die guten alten Zeiten. Damals, als Autoritäten noch was galten. Als die jungen Dinger noch kuschten. Als man noch auf die Eltern vertrauen durfte, die die Hirngespinste ihrer lieben Kleinen schon richtig einzuschätzen wissen würden, nicht wahr? Heute dagegen spucken einem die Schüler vor Verachtung vor die Füße, die guten alten Werte sind vor die Hunde gegangen.   weiterlesen »

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Die Bäuche der Wähler

Samstag, 6. März 2010 um 16:37 Uhr

Ich fühlte mich kürzlich angesichts eines FR-Artikels an eine Szene aus meiner Jugend erinnert. Es war um 1978 herum, als meine Großeltern mal wieder zu Besuch gekommen waren. Mein Großvater, Rentner und Pächter eines Kleingartens im schleswig-holsteinischen Eckernförde, beäugte den relativen Wohlstand, zu dem meine Eltern es gebracht hatte, mit einigem Misstrauen. Das Eigenheim war seit etwa fünf Jahren bezogen und bot meinem Vater viel Raum für verschiedenste Hobbies und Ausbaupläne. Jüngst hatten die Mittel sogar für ein neues Auto gereicht, einen ziemlich dicken Ford Granada, den man heutzutage wohl unter die Straßenkreuzer rechnen müsste, jedenfalls was deutsche Verhältnisse betrifft. Mein Großvater, der in der Weimarer Zeit Mitglied der KPD gewesen war (Arbeiter in der optischen Industrie), sah dieses Auto, und es war ihm anzusehen, dass ihm etwas auf der Zunge lag. Nun war der Besuch aber nicht gerade harmonisch verlaufen, und er wollte wohl nicht wieder Öl ins Feuer gießen. Sein Kommentar zu diesem Auto fiel daher gemäßigt aus: “So gut wie heute wird es uns nicht wieder gehen. Von jetzt an geht’s bergab.”  weiterlesen »

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Einladung zur Blattkritik

Montag, 1. März 2010 um 16:39 Uhr

Liebe Userinnen und User,

aus meinen Erfahrungen mit Ihnen weiß ich, dass viele von Ihnen sehr engagiert mit Ihrer Frankfurter Rundschau leben. Jedenfalls kann ich von meinen Erfahrungen bei anderen Zeitungen berichten, dass dort deutlich weniger Feedback von Leserseite zurückkam. Manche Redaktionsmitglieder dort kannten ihre Leserinnen und Leser gar nicht.  Das gilt für die FR so nicht. Ich bin es gewohnt, täglich von Ihnen viele Zuschriften zur FR zu bekommen, viele kritische, aber auch viele lobende. Ich gebe diese Zuschriften weiter, beantworte Fragen, versuche zu helfen, wo immer es geht. Leider habe ich dabei auch Bekanntschaft mit meinen Grenzen gemacht: Es ist mir einfach nicht möglich, jede Mail zu beantworten.

Trotzdem möchte ich dafür sorgen, dass die FR-Redaktion ihre Leserinnen und Leser noch besser kennenlernt, und dafür nehme ich einige sehr arbeitsreiche Tage gern in Kauf. Ich habe nämlich einen Vorstoß bei der Chefredaktion unternommen, der von beiden Chefredakteuren, Rouven Schellenberger ebenso wie Joachim Frank, sehr positiv aufgenommen wurde, und nun möchte ich Sie, die FR-Leserinnen und -Leser, aber auch die Userinnen und User dieses Blogs zur Blattkritik einladen. weiterlesen »

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So ein Neusprech geht gar nicht!

Montag, 1. März 2010 um 16:29 Uhr

Der Suchmaschinenriese Google hat innerhalb kürzester Zeit eine marktbeherrschende Position erreicht. Chapeau: Zur richtigen Zeit die richtige Idee gehabt - ein glanzvoller Aufstieg. Doch wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch viel Schatten. Die Vorwürfe sind nicht neu: Google scheint Daten über die Internetnutzer zu sammeln und ist bereits in der Lage, Werbung gezielt zu platzieren. Insbesondere bei Datenschützern ist Google daher umstritten. So kann Google über seinen Browser Google Chrome das Surfverhalten der User nachvollziehen. Auch mit Google Mail sammelt der Konzern Daten über seine Nutzer. Geradezu rücksichtslos ging der Konzern bei der Digitalisierung von Büchern vor, die über Google Books angeboten werden, obwohl es Ärger mit den Urheberrechten gibt. Und seit einiger Zeit macht Google mit Street View von sich reden. weiterlesen »

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Lehrreiches Wechselbad

Samstag, 27. Februar 2010 um 13:01 Uhr

Margot Käßmann, bis dato Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist zurückgetreten. Mit gut 1,5 Promille im Blut missachtete sie eine rote Ampel, wurde von der Polizei angehalten. Führerschein weg, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Zum Glück kam niemand zu Schaden bei dieser Alkoholtour. Käßmanns Entscheidung fiel schnell und so klar, wie es von dieser Frau nicht anders zu erwarten war: Sie habe “einen schweren Fehler gemacht” und Schuld auf sich geladen. Jetzt folge sie dem, was ihr ein Ratgeber gesagt habe: Bleibe bei dem, was dein Herz dir rät. “Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben.” Ein Rücktritt um des Amtes willen, aber auch aus “Respekt und Achtung vor mir selbst” und um der “Gradlinigkeit” willen, “die mir viel bedeutet”. Eine Geradlinigkeit, der die FR-Leser Respekt zollen und die sich bei so mancher anderen Person des öffentlichen Lebens vermissen. So meint Joachim Fischer aus Bremen:  weiterlesen »

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So geht man mit Terroristen um!

Mittwoch, 24. Februar 2010 um 15:30 Uhr

Da marschieren also elf Männer, laut der Polizei von Dubai Mitarbeiter des israelischen Geheimdiensts Mossad, unter den Linsen von Überwachungskameras munter in ein Hotel in Dubai und ermorden einen Hamas-Führer. Das Mordopfer, Mahmud al-Mabhuh, wurde mit Elektroschocks betäubt und dann mit einem Kissen erstickt. Der Mann, der in dem Hotel die Lieferung von geschmuggelten Waffen absichern sollte, wird für die Entführung zweier israelischer Soldaten zu Beginn der ersten Intifada von 1987 bis 1993 verantwortlich gemacht, die ermordet wurden. Mabhuh ist also ein Terrorist. Und der Mossad, wenn er denn wirklich dahinsteckt, ist diametral zu seinem Ruf ein Dilletantenverein. weiterlesen »

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