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Von Ninette Krueger am 23. Juli 2007 | Abgelegt unter: Politik
Nichts geht mehr auf Deutschlands Schienen – oder doch? Die Lokführergewerkschaft GDL droht mit unbefristetem Arbeitskampf.
Soll der Staat eingreifen und den Lokführerstreik unterbinden, auch im Interesse der Bahn-Kunden?
Brauchen Lokführer einen eigenen Tarifvertrag? Immerhin gibt´s sogar Schelte aus den eigenen Reihen. DGB-Chef Michael Sommer hat der Lokführergewerkschaft GDL vorgeworfen, die Bahnbeschäftigten zu spalten und den Flächentarifvertrag zu gefährden. Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag und Lohnerhöhungen von mindestens 31 Prozent für die rund 34 000 Lokführer und Zugbegleiter. Ein unbefristeter Streik könnte zudem zu erheblichen Verkehrsblockaden in der Urlaubszeit führen.
Zum Kommentar “Sture Lokführer”, FR vom 20. Juli
Jürgen Schulz aus Buchholz hält die Forderungen der Gewerkschaft für “weltfremd”:
Das Verhalten der Gewerkschaft der Lokomotivführer ist unverständlich. Entweder sie hat die vergangenen Jahren verschlafen, da sie nichts für die Lokomotivführer getan hat, oder sie ist weltfremd, da sie nicht merkt, dass eine Forderung von 31 Prozent Lohnsteigerung nicht durchsetzbar ist. Wenn sie jetzt festgestellt haben sollte, dass ihre Lokomotivführer gegenüber den anderen Bediensteten der DB zu wenig verdienen, dann ist doch der einzige Weg, das Angebot der DB anzunehmen und neben den 4,5 Prozent einer Bewertung der Aufgaben der Lokomotivführer zuzustimmen. Dann wird sich ja zeigen, welches Gehaltsniveau angemessen ist. Und unsere Regierung muss sich überlegen, in welchen Bereichen unseres Staates Streiks nicht geduldet werden können.
Ganz anders sieht dies Peter Vogelsang aus Walldorf:
Der Kommentar von Eva Roth geht voll und ganz an der Thematik vorbei. Er ist fast schon eine Hetze gegen die absolut gerechtfertigte Forderung der Lokomotivführer.Vor Jahren schon gab es eine Studie der Universität Oldenburg zur Belastung der Lokführer im Schichtdienst. Nichts ist passiert. Figuren wie Mehdorn und Margret Suchale (Personalverantwortliche) kassieren ab und verunglimpfen diejenigen, die die größte Verantwortung bei höchster körperlicher und geistiger Belastung haben. Bei Piloten wurde ein eigener Tarifvertrag gemacht, der der Verantwortung gerecht wird. Bei Lokführern, die zudem noch ohne “Copilot” Hunderte von Passagieren sicher transportieren sollen, ist Gleiches zwingend erforderlich. Das dumme Geschwätz der Personal-”verantwortlichen” Frau Suchale ist einfach nur ätzend.
Für Georg-Michael Mathes aus Frankfurt ist die Kritik von DGB-Chef Michael Sommer wenig erquicklich:
Michael Sommer kann es wohl nicht ertragen, wenn eine Gewerkschaft genau das durchsetzen will, wofür die Mitglieder Beiträge zahlen. Jedes Mitglied der GDL erwartet zu Recht, dass die Führung für sie die bestmöglichen Arbeits- und Lohnbedingungen herausholt. Wenn Sommer meint, die GDL würde mit ihren Forderungen die Belegschaft spalten, müsste er z. B. der transnet kräftig in den Hintern treten, wenn sie sich zu ihren Abschlüssen der letzten Jahre hinreißen lässt. Indem einzelne Berufsgruppen letztlich schon nach kurzer Zeit das Ende der Einkommens-Fahnenstange erreicht haben, werden sie nur Dank der GDL und ihren Forderungen nicht mehr unterbezahlt arbeiten müssen. Ich bin übrigens kein Eisenbahner, mir geht es nur um berechtigte Forderungen der Arbeitnehmer.
Es wäre auch hilfreich, wenn die Medien nicht nur auf den 31 Prozent rumreiten würden. Schreibt lieber was die Lokführer wirklich brutto verdienen, da relativieren sich die Forderungen. Oder würde irgendjemand ein Flugzeug betreten, wenn bekannt wäre, dass der Pilot mit 2500 Euro brutto abgespeist würde? Wohl kaum!
46 Kommentare
„Er ist die Zukunft, ich bin die Vergangenheit.“
Der Kieler FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki am Montag in Berlin über NRW-Wahlsieger Christian Lindner, zitiert nach dpa.
Die Forderungen der GdL sind so dumm wie richtig.
Dumm, weil genau Ziel und Zweck der Reformen auf dem Arbeitsmarkt und der neoliberalen Vordenker ist, die Arbeinehmer zu spalten. Da dauerhafte Lohnzurückhaltung irgendwann dazu führt, dass die Besserqualifizierten sich abspalten und seperat Verträge durchsetzen, da sie es können weil ihr Wissen und Können begehrt ist.
Richtig, weil angesichts der Entwicklungen der Deutschen Bahn die Beschäftigten schon seit Jahren eine Beteiligung der auf ihrem Rücken erschundenen Kosteneinsparungen und Leistungsverbesserung verdient haben und 4,5 Prozent bis 2009 ein billiger Scherz des Herrn Mehdorn sind, der lieber einen glanzvollen Börsenstart inklusiver der Einstreichung einer eigenen Gehaltserhöhung plant, anstatt die desolaten Zuständen bei den überarbeiteten Arbeitskräfte auch nur wahr zu nehmen.
Insofern geteilter Kampf ist Herrn Mehdorn eine Freude. Und langfristig wird sich die geschwächte Durchschlagskraft der Bahner insgesamt rächen. Die Stärke der Gewerkschaften lag stets in ihrer Einigekeit und in weitreichenden Tarifverträgen. Durch Abspaltungen wie die GdL werden Tarifverträge und Gewerkschaften insgesamt immer schwächer. Das kommt den Unternehmen sehr entgegen, aber nicht den BEschäftigten.
@ “Lokführergewerkschaft”;
was jetzt bei der bahn passiert, war eines der früheren grundübel anderer europäischer staaten, nämlich gewerkschaften die berufsspezifisch organisiert waren. hierunter litt in der 2. hälfte des vorigen jahrhunderts besonders die englische wirtschaft und auch die gesellschaft.
gerade unser wirtschaftswunder der 50er bis siebziger wurde möglich, weil es bei uns diese berufsständischen gewerkschaften so nicht gab und eine schlüsselgruppe wie die lokführer oder auch die müllmänner sich in den dienst des ganzen stellten.
sollte sich dies mit einer nun erkennbaren aufkündigen dieses gemeinsamen gewerkschaftsgedankens oder -praxis nun ändern, dann kommt es genau zu der wie zuvor von ingo schäfer beschriebenen arbeitnehmerspaltung und somit schwächung der gewerkschaften.
ein gutes könnte die in gang gekommene diskussion aber bringen, nämlich die bewusstseinsschärfung, dass den arbeitnehmer zwar gut 4% zugestanden werden, aber die vorstandsetagen sich 20% und mehr genehmigen!
Hm, nun gut, das Thema hatten wir aber erst kürzlich unter dem Titel ”1300 Euro im Monat ?” oder so ähnlich.
Zum Thema: Das Gute am sicher kommenden Streik ist, dass die Bahn nicht einfach mit ”Outsourcing” drohen kann. So schnell sind auch keine ungarischen oder gar chinesischen Lokführer zu rekrutieren (wobei ich nichts gegen diese gesagt haben möchte). Diesen Vorteil sollte sie auch VOLL ausspielen. Mehdorn muss endlich begreifen, dass nicht Aktien und Börsengang , sondern Menschen im Mittelpunkt zu stehen haben, als Kunden UND als Personal.
Die GdL fordert auch nicht ‘mindestens’ 31%. Sie fordert vor allem höhere Einstiegsgehälter, was bei dem , was gezahlt wird, und der Verantwortung eines Lokführers durchaus gerecht ist.
Das bei den niedrigen Löhnen (da verdient mancher Zeitarbeiter mehr, aber das Thema hatten wir hier schon) dann eine Steigerung von 300€ gleich einen derart utopische Prozentsatz ausmacht, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Forderung gerechtfertigt ist.
Man sollte die 300€ vielleicht auf Meddorns Monatsgehalt hochrechnen, aber ich bezweifle, dass bei der Rechnung ein Satz herauskommt, der höher ist, als der Blutalkoholspiegel eines beinahe fahruntüchtigen PKW-Fahrers.
Und Mehdorn hat kaum eine höhere Verantwortung: Er kann den Konzern nicht an die Wand fahren, er wird vorher abgesägt…
MfG Jan
Es ist richtig: Mehdorn und die ihm zuarbeitenden Politiker wollen die Bahn profitabel für die Börse machen. Je niedriger der Anteil der Lohnkosten ausfällt, desto größer ist der „Privatisierungs“-Erfolg, wenn Volksvermögen in die Hände weniger Reicher überführt wird. In der dem Kapital zugeführten Bahn werden kurz- und mittelfristig Jobs geschaffen werden können, um sich bei den „Privatisierungs“-Politikern, die jetzt noch im Bundestag, subjektiv betrachtet, unterbezahlt ausharren müssen, erkenntlich zu zeigen.
Bevor man den Lokführern deren Forderungen als überzogen um die Ohren haut, sollte erst nochmals ein Blick auf die bisherige Politik von Rot/Grün bzw. Rot/Schwarz geworfen werden: Die Steuern auf Vermögen und Kapitalerträge wurden für die Reichen gesenkt. Dafür wurde Lohnabhängigen die Pendlerpauschale gekürzt, die Sparerfreibeträge zusammengestrichen, die Versicherungssteuer und die Mehrwertsteuer heraufgesetzt, die Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit geschmälert.
Dass sich die Lokführer angesichts des Börsengangs ihrer Position bewusst werden, ist ein Nebeneffekt. Denn künftig werden sie unter den verschärften Bedingungen des freien Marktes ihre Arbeitskraft anbieten müssen. Nichts hätte Mehdorn lieber: Beamtenbrave Lokführer, die sich mit dem Hinweis auf den sicheren Arbeitsplatz jahrzehntelang bescheiden. Wer jetzt die Entsolidarisierung innerhalb der Gewerkschaftsbewegung – wenn von einer solchen überhaupt noch zu sprechen ist – klagt, hat sicher auch schon beobachtet, dass für sentimentale Politikvorstellungen kein Platz mehr ist.
Wenn die Verteilung des erwirtschafteten Vermögens weiterhin derart auseinanderdriftet, wie mit Hilfe von Rot/Grün eingeleitet, können die Lohnforderungen nicht hoch genug sein.
@bakunix
sentimenatale Politikvorstellungen sind sicherlich nicht gefragt, aber eine Durchsetzungsstarke Gewerkschaft sehr wohl. Und wenn jeder sein eigenes Ziel verfolgt, werden nur die Unternehmer und einige wenige Angestellte profitieren und die Ungleichheit wird so zu nehmen, dass sie selbst mit einer sehr umverteilenden Steuerpolitik kaumnoch zu korrigieren wäre.
Die geforderten Einkommenserhöhungen sind m.E. – zumindest in der Grössenordnung – gerechtfertigt, jedoch zeigt sich ein Effekt, der seit Jahren nd Jahrzehnten immer wieder auftaucht: DIE (ich meine nahezu alle) Gewerkschaften haben tief und fest geschlafen.
Herr Jürgen Schulz hat insofern vollkommen Recht.
Nun ist es an der Zeit, die Einkommensforderungen (auch für Mehdorn “sozialverträglich”) abzuwickeln. Dabei empfinde ich für einen Manager vom Schlage Mehdorns absolut kein Mitleid, aber es gibt gewisse “Spielregeln.
Wenn die Gewerkschaften ihre unsinnigen – seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zyklisch auftauchenden – Forderungen (mehr Geld, weniger Arbeitszeit) nicht ein wenig phantasievoller ergänzen, werden sie den Weg alles Irdischen (siehe britische Unions) gehen.
@Hajo Gebhardt,
die britischen Gewerkschaften sind eher nicht freiwillig gegangen, sonder die Politik hat ihre Arbeit willentlich verboten, erschwert, in jedem Fall faktisch unmöglich gemacht.
Und im Kapitalismus gibt es nur eine Spielregel, was die Gewerkschaften nicht mit Gewalt abtrotzen und erhalten werden die Unternehmer wieder in Ihren Gewinn vereinnahmen. Und ob arbeitszeitverkürzung oder Lohnerhöhungen so “unsinnig” sind wie sie behaupten, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Was sonst sollen sie Fordern? Durch Gewinnbeteiligung zu pseudo-gleichberechtigten-Kapitalisten zu werden? Aktienoptionen? Abfindung und Übernahme-Garantie bei Entlassung mit einer garantie für höheres Gehalt? Nein, ich befürchte die einzig vernünftigen Forderungen (innerhalb des kapitalismus) sind Lohnsteigerungen oder Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich, denn nur so können die Kapitalisten gezwungen werden, ihre Produktivitätsfortschritte abzugeben. Und Arbeitsplatzgarantien ist die beste Lebenslüge, gleich nach dem demographischen Problem und der “überalterung” der Gesellschaft?
@Ingo,
Du scheinst wohl vergessen zu haben, dass Thatcher die Gewerkschaften sich Todstreiken ließ. Ich möchte in diesen Zusammenhang nur an den Streik der Bergarbeiter erinnern.
Bzgl unserer Gewerkschaften hier in Deutschland muss man sagen, dass z. B. Verdi sich lieber mit Reformprojekten, wie den TVÖD gebrüstet hat, als sich um ddie Interessen der Mitgleider zu kümmen.
Der TVöD hat doch für die Mitgleider von Verdi nur Nachteile gebracht. Man darf ja nicht vergessen, dass der TVöD den Einstieg in die Arbeitszeitverlängerung im Öffentlichen Dienst bedeutet. Außerdem wurde die Einstufung der Tätigkeiten verschlechtet, dass kan man dann an den Stellenausschreibung sehe, woe es heißt: “Die Höhere Besoldungsstufe kann nur im Rahmen der Besitzstandswahrung erreicht werden”
Wie sich die Tarifrunde im nächsten Jahr entwickeln würde, dürfte recht spannend werden. Da die Beamten – zumindestens beim Bund – z. Z. bis zu 41 Stunden arbeiten, kommen bei mir in dieser Beziehung doch einige Befürchtungen hoch.
Aufgrund dieser mangelnden Unterstützung entsprechender Mitgliedsgruppen, wie Ärzte oder Lockführer, braucht man sich dann nicht zu wundern, wenn sich berufsspezifische Gewerksachaften herausbilden, die in der Lage sind, die besondere Stellung ihrer Mitarbeiter in den entsprechenden Unternehmen auch auszunutzen.
@8 Ingo Schäfer
Ich habe mit keinem Wort geschrieben, dass die britischen Gewerkschaften freiwillig “gegangen” sind, aber sie sind m.E. AUCH Opfer ihrer eigenen Forderungen geworden.
Auch zum Thema “Umgang der Gewerkschaften mit “der Politik”" habe ich nichts geschrieben, was darauf hinweist, dass ich Forderungen nach Mehr-Einkommen ausschliesse, aber doch nicht in dieser Höhe und nicht in der bisher geübten Beinahe-Ausschliesslichkeit!
Wenn sich jetzt – so plötzlich und unerwartet (wie z.B. Weihnachten vor der Tür steht) – herausstellt, dass z.B. die Lokführer ein Mehr-Einkommen von über 30% haben müssten, stellt sich doch die Frage, wie realitätsnah Gewerkschaftler sind, oder?
Sämtliche Argumente, die in diesem Blog oder sonstwo gegen die 30%-Lohnforderung der GdL angeführt werden, sind haltlos, es sei denn man fügt sich dem Gesetz des Kapitals, bejaht es am Ende sogar gegen jede Alternative. Ingo Schäfer und bakunix haben dazu das Nötige gesagt, Jan hat die Forderung der GdL weiter differenziert.
Wenn hier, nur z.B., von der “plötzlich” hereinbrechenden Weihnachtszeit als ungünstigem Zeitpunkt für Streiks geredet wird, dann ist dies nur als privatistisch und partikular interessenhaft und unpolitisch zu werten. Solange Arbeitnehmer sich seit 20 Jahren durch steigende Reallohnsenkungen und ständig weitergehender Privatisierung des sozialen und gesundheitlichen Risikos bei gleichzeiotiger Steigerung des Vermögens der Besitzer von Produktivkräften expropiieren lassen, sollten sie selbst oder auch nur ihre Vertreter in Gewerkschaften, Parteien oder Paralamenten jetzt nicht in auch nur irgendeiner Form derartige Streiks oder Lohnforderungen als “unpassend” ktitisieren.
Ich halte diese Lohnforderungen der GdL auch nicht für “so richtig wie dumm” (Ingo Schäfer). Sie sind nur “richtig”. Wenn etwas dabei “dumm” ist, dann ist es das Verhalten des DGB und seiner Einzelgewerkschaften (allen voran z.B. die IG Bergbau, Chemie, Energie des Hubert Schmoldt) der seit Jahren mehr den Pakt mit dem Neoliberalismus suchte als eine linke Gewerkschaftspolitik insgesamt betrieb, die die gesamtgesellschaftlichen Zustände im Blick hätte haben müssen. Dabei hat sich der DGB auch nicht wirklich von der SPD gelöst oder gar abgewandt, sondern ist mit ihr zusammen, getrennt denselben Weg gegangen.
Wenn jetzt eine Einzelgewerkschaft (im unteren Lohnsegment!!!) Forderungen aufstellt die das “friedliche, angemessene Maß” bundesrepublikanischer Maßstäbe angeblich sprengen, dann sollte das dem DGB und der SPD ein Zeichen sein, dass ein Ende der Appeasement-Politik ansteht, d.h. politischer, gewerkschaftlicher Kampf geben die Kapitalinteressen auf die Tagesordnung gehört. D.H. wir benötigen einen Solidarisierung des DGB mit der GdL und nicht das Umgekehrte.
Es sollte nicht vergessen werden: Das GG der BRD schützt das Privateigentum sowohl, als es seinen Besitzer verpflichtet. Wir haben ein ganzes Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), das den Schutz des Eigentums auf das Beste regelt, ein Strafgesetzbuch, was dessen ungesetzliche Antastung bestens sanktionsbewehrt. Allerdings gibt es bis heute keine entsprechende Gesetzgebung, die genauso detailliert bestimmt, “wozu” der Besitz von Eigentum (= Produktivvermögen)eigentlich praktisch verpflichtet. Nicht einmal die Pflicht Arbeitsplätze in angemessener Menge zur Verfügung zu stellen (Recht auf Arbeit), einen sozialverträglichen “nicht sittenwidrigen” Mindestlohn (Müntefehrings Hohlforderung) zahlen zu müssen sind bisher verwirklicht. Aber wenn es um die Begründung der Entlastung des Kapitals geht (z.B. Vermögens- und Kapitalsteuerabsenkung), dann geht es wieder ganz schnell; aber damit wird das Eigentum ja auch geschützt. Dagegen dürfen jetzt alle empört sein, dass die GdLer den Urlaubsspaß der Werktätigen zu derangieren drohen, wo diese doch in Wahrheit am Profit des System zu knabbern wagen. Letzteres ist natürlich “verboten”.
Die FR hat sich am 24. Juli 07, dem Tag, an dem die Bundesregierung den Ausverkauf des Volksvermögens Deutsche Bahn beschließen sollte, mit der Thematik beschäftigt. Geschrieben wurde u.a. ein Kommentar, der nahezu durchgehend das Bahn-Thema als Metapher einsetzt. In journalistischen Kreisen ein bevorzugtes Stilmittel, die Bildersprache zur Unterhaltung der Leserschaft einzusetzen.
So schreibt von Bebenburg: „Der Zug ist noch nicht abgefahren. Auch wenn die Bundeskanzlerin und ihr Verkehrsminister am heutigen Dienstag zur Abfahrt der Deutschen Bahn in Richtung Privatisierung pfeifen.“ Wer sich derart um die Sprache der Bilder bemüht, drückt sich vor der exakten Beschreibung des Sachverhalts. Deutlich wird das an folgendem Beispiel: „Wer das Getöse hört, das in diesen Tagen auf dem Bahnsteig ertönt, der ahnt, dass es nicht allen nur um die beste Zukunft der Zugreisenden geht. Handfeste Interessen und Millionensummen spielen eine Rolle, über die öffentlich nicht so laut gesprochen wird.“
Der Schreiber denkt nur von einer Metapher zur nächsten. Die entscheidenden Informationen geraten beim Verfassen des Textes aus dem Blick, wenn von Bebenburg die Leserschaft nur wissen lässt, „dass es nicht allen um die beste Zukunft der Zugreisenden geht“. Wer sind denn diejenigen, die sich hinter dem Wort „allen“ verbergen? Das hätte mich sehr interessiert. Und wenn er von den „handfesten Interessen“ und den „Millionensummen“ fabuliert, die bei der Privatisierung eine Rolle spielten, hätte die Nennung derer, die davon profitieren, der Leserschaft eine klareres Verständnis für die Lohnforderungen der Lokführer gebracht. Lieber verbringt von Bebenburg seine ihm zur Verfügung stehende Denkzeit damit, eine Metapher für den Nichtverkauf des Schienennetzes zu finden. Er kam auf dieses Bild: „Der Waggon mit der Aufschrift ‚DB-Netz’ jedenfalls sollte hierbleiben.“ Indirekt wirbt er damit für den Börsengang der Bahn ohne Schienennetz, unterstützt also die Bundeskanzlerin und deren Verkehrsminister.
So ist das seit dem 30. Mai: Das Format der Zeitung korrespondiert mit dem Format der Kommentare.
Es ist bedauerlich, Herr Theel, dass Sie es permanent versäumen, das zu lesen, was geschrieben wurde. Ich habe mit meinem Vergleich mit der Weihnachtszeit – zugegebenermassen nur für Personen geeignet, die sich einen gewissen (vielleicht auch eigenartigen) Humor bewahrt haben – lediglich demonstrieren wollen, dass es auch in Zeiten eines gewissen Aufschwunges nicht vermittelbar ist, wenn ein Teil der arbeitenden Bevölkerung “mit einem Mal” ein Drittel mehr Einkommen fordert. Dies, nur dies ist der eigentliche Skandal, und wer anderes hat diesen verursacht als die Gewerkschaften?
Ich will gar nicht sagen, dass die Forderungen unberechtigt sind, aber dass dies nicht Stück für Stück (wegen mir Jahr um Jahr), sozusagen in akzeptablen Portionen geschehen ist, ist nicht nachvollziehbar.
@ 13. Kommentar von: Hajo Gebhardt
Werter Herr Gebhardt,
ich weiss nicht, was ich versäumt haben sollte hier im Blog gelesen zu haben, ich weiss auch nicht genau, wo der Witz Ihres Weihnachtsbezuges liegen soll. – Aber vielleicht erklären Sie mir diesen Eigenartigen” Humor einmal?
Wenn Sie sich allerdings darüber wundern, dass die GdL “mit einem Mal” einen solche Forderung von einem Drittel mehr Lohn aufstellt und sich weiter wundern, dass diese Forderung in der Vergangenheit nicht stückweise sich addierend erhoben wurde, so muß ich bedauern, dass Sie es offenbar versäumt haben, die tarifpolitische Entwicklung mindestens der letzten 15 Jahre verfolgt zu haben. In dieser Zeit hat der DGB in so gut wie jeder Branche davon Abstand genommen Tarifforderungen aufzustellen oder durchzusetzen, die der Inflationsrate auch nur um einen Zehntelprozentpunkt von unten her nahekamen. Demzufolge haben wir den in meinem Beitrag angesprochenen Reallohnverlust bei abhängiger Arbeit, der beiden Lokführern seit 1994 auf 9,5 % aufgelaufen ist [s. http://www.jungewelt.de/2007/07-03/015.php.(Bedenkt man das tatsächliche Lohnniveau, die tatsächliche Verantwortung bei dieser Arbeit und dass Lohnforderungen immer einen Verhandlungsspielraum beinhalten, erscheint mir hier nichts kritikwürdig). Mit diesem Forderungsverzicht hoffte der DGB im Verein mit der SPD die Versprechungen der Wirtschaft nach Aufschwung und Abbau der Arbeitslosigkeit erfüllt zu bekommen. Eine bisher unerfüllte Hoffnung. Daher meine Kritik am DGB und meine Kritik an den Argumenten, die hier im Blog gegen die GdL ins Feld geführt wurden. – Wenn Sie diese Entwicklung berücksichtigend zur Kenntnis nehmen, dann könnten Sie der Forderung doch zustimmen?
@ 14. Kommentar von: Uwe Theel
++++ Korrektur ++++
Der Link in #14 muss korrekt heißen:
http://www.jungewelt.de/2007/07-03/015.php
@Hajo Gebhardt,
“Wenn die Gewerkschaften ihre unsinnigen – … – Forderungen (mehr Geld, weniger Arbeitszeit) nicht ein wenig phantasievoller ergänzen”
dies haben sie gesagt. Soll ich daraus etwa nicht schließen, dass sie mehr Geld und weniger Arbeitszeit für “unsinnig” halten? zugegeben, Arbeitsbedingungen könnten auch Thema sein, dies wird aber regelmäßig über Betriebsräte geregelt.Von daher, wäre meine Frage an sie, welche “Ergänzungen” und in welchem Verhältnis zu den “unsinnigen” Forderungen diese stehen, meine sie?
@gebhardt/schmitt
Das “freiwillig” hatte ich extra in Anführungszeichen gesetzt, da ich ihrem Text entnahm, das die Gewerkschaften die Schuld selber trugen. Tatsächlich war es aber so, das Thatcher die Rechte, inkl. der Streikrechte massiv zusammengestrichen hat, gleichzeitig ein Notlager sowie einen strukturellen Umbau begann, um dann in klassischer Mittelalterattitüde überhaupt nicht mit Gewerkschaften zu verhandeln. Mehr noch, durch Polizeieinsätze für Tote und massenweise Schwerverletzte zu sorgen, Streikbrecher Boni zu zahlen, diese mit Polizeigewalt in die Betrieb zu bringen und die Gewerkschaften dann noch als Kriminelle, mIlitante, Gewalttäter und änhliches zu Beschimpfen.
Allerdings gebe ich ihnen Recht, einem schnurrenden Kätzchen wie Hubertus Schmold und der BCE droht dieses Schiksal nicht. Insofern sind die Gewerkschaften “Opfer ihrer eigenen Forderungen” geworden. Dies allerdings ist eine extrem zynische Sichtweise auf den tatsächlichen Hergang. Schließlich hat die Regierung willentlich und vorsätzlich die Gesetze so verändert, dass die Gewerkschaften entweder abdanken oder kämpfend untergehen konnten. Schade war insofern nur, dass es nicht zu einem Generalstreik kam und viele andere Gewerkschaften sich um ihre Zerschalgung nicht hinreichend gekümmert haben.
Es bleibt also nur die Forderung an die deutschen Gewerkschaften, macht schluss mit apeasment politik und zeigt ZUSAMMEN und GESCHLOSSEN den Unternehmern und der Bundesregierung das es auch anders geht.
*träum*
@Uwe Theel,
“dumm” fand ich diese Forderung nur insofern, als dass sie nicht in Abstimmung der drei Gewerkschaften statt fand. Da ich bei den internen Beratungen nicht dabei war, kann ich nur aus der Auswirkung vermuten, dass die GdL sehr früh einen eigenen Kurs fahren wollte und das finde ich dumm. Wäre es nicht besser gewesen, meinetwegen 15% PLUS neueingruppierung ABER für ALLE Bahnbeschäftigten zu fordern? Das wäre der Macht der Gewerkschaften viel eher zu gute gekommen und wäre bei mir auf mehr Verständnis gestoßen. Und über Weihnachten, da gebe ich ihnen Recht, brauchen wir hier nicht zu reden.
@ 16. Kommentar von: Ingo Schäfer
Geschrieben am 25. Juli 2007 um 09:35
Lieber Herr Schäfer,
wie ich Ihrem Kommentar vom 25. Juli 2007 um 09:35 entnehme sind unsere Positionen bezüglich der Dummheit des DGB insgesamt und der gar nicht bzw. falsch laufenden Solidaritäten praktisch deckungsgleich. Ihr ursprünglichen Ausführungen waren da wohl (für mich) nur etwas zu kurz gefaßt.
Freundliche Grüße
Uwe Theel
P.S. Mein Berlin-Aufenthalt (Abacus-Hotel am Tiepark, Friedrichsfelde) vom 29. – 31.07 steht.
@ Administrator
Würden Sie bitte meinen Eintrag
1″5. Kommentar von: Uwe Theel Der Kommentar muss erst vom Administrator bestätigt werden.
Geschrieben am 25. Juli 2007 um 00:24″
freigeben. Nicht freigesschaltet bringt er die Beitragsnummerierung durcheinander.
Danke
U.T.
Erstmal:
Klasse dass es das FRBlog gibt! Glückwunsch.
Lokführer haben eine ähnliche Verantwortung wie Piloten. Daher sollten sie auch entsprechend verdienen.
Komisch nur dass es nicht in den letzten Jahren Step by Step angehoben wurde.
So klingen 30 % natürlich viel….
Tommy
M. E. bring der Beitrag Nr. 2 von Kaika die Sache auf den Punkt. Ein Vorteil des deutschen Wirtschaftssystems waren bislang u. a. die Branchengewerkschaften. Diese drohen nunmehr in Berufsgewerkschaften aufgepalten zu werden. Wo kommen wir hin, wenn wir das zulassen? Jetzt die Lokführer, dann die Busfahrer, danach die Müllmänner? Alle, die einen Beruf ausüben, von dem die Öffentlichkeit unmittelbar abhängig ist, begründen kleine, aber äußerst mächtige Gewerkschaften. Der Rest kann sehen, wo er bleibt. Was ist z. B. mit dem Stellwerkpersonal? Tragen die keine Verantwortung? Haben die keinen stressigen Job? Es geht hier keineswegs um mehr oder weniger Verantwortung oder Stress im Job, hier geht es um Macht. Wer die nicht hat, hat verloren. Leidtragende sind wir alle. Und den Wirtschaftsstandort Deutschland macht diese Entwicklung nicht attraktiver.
Ich hege keinerlei Sympathie für Herrn Mehdorn, kann aber die Haltung der Bahn in diesem Fall durchaus verstehen.
@ 20. Kommentar von: Napez
Sehr geehrter Herr Napez,
verzeihen Sie, aber Sie machen denselben Denkfehler wie z.B. Kaika und Herr Gebhardt.
Das Problem liegt nicht vorrangig darin, ob hier Berufs- oder Branchengewerkschaften agieren, es wird allenfalls durch die Zersplitterung dabei weiter verschärft. Entscheidend ist, dass der DGB als Einheitsgewerkschaft seit Jahren nicht mehr in der Lage ist, eine einheitliche Linie der Tarifpolitik für alle Branchen- bzw. Berufsgewerkschaften vorzugeben. Tarifpolitik des DGB orientiert sich seit Jahren an den Vorgaben der IGM, bzw. IG Bergbau, Chemie, Energie, die Lohnzurückhaltung und die gängigen Vorstellungen neoliberaler Wirtschaftspolitik grundsätzlich im Verein mit den letzten und der gegenwärtigen Bundesregierung, d.h. letzlich mit der deutschen Wirtschaft exekutierten. Linke Gewerkschaftspolitik, die Verteilunhsgerechtigkeit über alle Branchen in gleicher Weise im Blick hat, wie sie in kleineren Teilgewerkschaften propagiert wurde und wird hat im DGB keine Mehrheit, geschweige denn eine Chance bekommen. Inzwischen fühlen sich diese “kleineren” Mitglieder vom “großen” DGB abgehängt, die Schere zwischen oberen und unteren Einkommen öffnet sich immer weiter.
Für diese unteren Schichten sollten Sie Sympathie haben. – Was Ihr Verständnis für die Bahn sein soll ist schleierhaft, es sei denn Sie haben schlicht Verständnis für das Profitenteresse der Bahn (beim bevorstenden Börsengang). Genau dieses vertritt Herr Mehdorn, also müssten Sie auch mit ihm zufrieden sein.
Noch einmal: Es ist nicht mangelnde Solidarität der “kleinen” Gewerkschaften gegenüber den “großen”, sondern der verlorengegangene Blick des DGB für “das Ganze”. “Das Ganze” ist das System kapitalistischer Wertschöpfung und seiner ungerechten Verteilungsmechnismen und der damit einhergehenden Monopolbildung, die seit einigen Jahren verschleiernd als “Globalisierung” gehandelt wird. Die Unvermeidlichkeit dieser “Globalisierung” kann nur der als solche anerkennen, der keine Alternative zum kapitalistischen Witschaftssystem zulassen will.
@Uwe Theel,
Immer wieder diese Klassenkämpferrethorik und dass vor dem Hintergrund der assiven Ablehnung durch einige BloggerInnen.
Aber im Ernst, ich stimme ihnen da voll zu.
@uwe theel
ich bin das Wochenende nun tatsächlich weg. Schade sich nicht zu treffen.
@20 Napez
wir können uns doch glücklich schätzen, einen so kompetenten Aufklärerererer wie Herrn Theel in unserer Mitte zu haben. Eigenartig nur, dass es noch mehr als die drei von Ihm Benannten gibt, die Schwierigkeiten damit haben, dass eine Gewerkschaft Einkommenserhöhungen von einem Drittel fordert.
Herr Theel: Fragen Sie mal “den” Hartz IV-Empfänger, der unverschuldet arbeitslos geworden ist und – z.B. aus Altersgründen – bis jetzt keine Arbeit findet oder “den” Rentner mit Minimalrente, der – zeitlebens arbeitend und in die Rentenkasse einzahlend – mit einer Erhöhung abgespeist wird, die sich gerade noch im Prozentbereich befindet.
“Klassenkampf” ist positiv, wenn man dabei nicht nur auf diejenigen schaut, die mehr haben, sondern auch die, die weniger haben, nicht vergisst!
@ 24. Kommentar von: Hajo Gebhardt
Na prima Herr Gehardt,
dann machen Sie doch einmal ein paar inhaltliche Vorschläge für den politischen Kampf, den Harz-IV-Empfänger führen sollten, um in diesem System zu wirklicher Arbeit und gerechtem Lohn zu kommen – ohne, dass andere gerechte Forderungen zu kurz kämen -, anstatt mich in Ihren Beiträgen regelmäßig persönlich unsachlich anzugehen. Bronski wird Ihnen sicherlich nachsehen, dass das Thema dieses Blogs die Lohnkämpfe der Lokfüher, nicht der Hartz-IV-Empfänger sind.
Was sagt denn das neue CDU-Grundsatzprogramm dazu? (Marx scheint Ihnen ja keine zuverlässige Quelle zu sein)
Nix für Ungut.
Uwe Theel
P.S.: War “Aufklärerererer” ein Hänger Ihrer Tastatur, oder wollten Sie damit so ungefähr seit Kant eine ganze Tradition europäischen Denkens an meinem Beispiel lächerlich machen?
@25
Herr Theel,
ich wills noch einmal anders versuchen:
1. ich habe kein Problem mit Einkommenserhöhungen, auch wenn sie von Gewerkschaften errungen werden (ich stehe – wie Sie leicht erkennen können – mit Gewerkschaften nicht gerade auf Du und Du)- habe ich aber schon in meinem Kommentar 7 so ausgesagt
ABER
2. angesichts der doch z.Tl. recht dürftig ausfallenden Einkommensverbesserungen in anderen Bereichen (und da sind mir eben als Beispiele Arbeitslose und Rentner eingefallen (die Liste ist jedoch grösser, mir fehlt nur Ihre Kondition in Sachen “Texte verfassen”) erscheint mir ein Drittel AUF EINEN SCHLAG halt etwas hoch. Was ist daran verwerflich und/oder gar falsch?
An einen Tastaturhänger haben Sie sicherlich selbst nicht geglaubt, oder? Falls es jedoch Ihre traditionellen Gefühle europäischen Denkens verletzt haben sollte, nehme ich die überflüssigen “er’s” mit dem Ausdruck des grösstmöglichen Bedauerns gern zurück!
Sicher dürfte sein, egal wie man zu den Forderungen der Lokführer steht, ohne die 31-Prozent-Forderung würde niemand über diesen Berufsstand räsonieren. Wenn nun die Bahn-AG mit gerichtlichen Schritten gegen die GDL vorgeht und mit Fahrpreiserhöhungen sowie Entlassungen droht, also die üblichen Argumente aus dem Sack lässt, scheint die Gewerkschaft auf einem guten Weg zu sein. Ihre Stärke wird ihr durch das Vorgehen der Bahn-AG bewusst, und das hat auch Folgen für künftige Tarifverhandlungen. Eventuell werden Mehdorn und Konsorten ihrerseits Maßnahmen einleiten, ich sag’s mit einem Begriff aus der Managersprache, das in Erpressungspotenzial der Lokführer zu minimieren. Doch die Mitarbeiter der Bahn-AG können nicht ständig hinnehmen, dass Mehdorn meint, alle säßen in einem Zug, aber er sei derjenige, der sagt, wohin dieser zu fahren habe.
@Herr Gebhardt,
wenn sie Hartz IV und Renten ansprechen haben sie genau ins schwarze getroffen. BEIDE Leistungen werden (trotz rot-grün-schwarz-gelber) Rentenkürzungsprogramme immernoch im Wesentlichen durch die Bruttolohnentwicklung bestimmt. Soll heißen, hätte es seit 2001 ordentlich Arbeitskämpfe gegeben, hätte zwar (was zu beweisen wäre) nicht mehr Leute arbeit, diejenigen jedoch die Arbeit hätten könnten davon mehr abgeben und hätten immer noch mehr. Und die Renten und Hartz IV (erst ab 2005) wäre deutlich stärker gestiegen… Sie führen damit ihre Rethorik selbst ad adsurdum, da sie offensichtlich die zusammenhänge nicht kennen.
Sorry, musste aber mal gesagt werden. In diesem Kontext würden die 31 % zumindest ein wenig weiterhelfen
@ 26. Kommentar von: Hajo Gebhardt
Herr Gebhardt,
ich kann Ihre Worte aus #26 zunächst verstehen, ich will Sie auch gar nicht zum Gewerkschaftsfan missionieren (beachten sie meinen eigene DGB-Kritik weiter oben im Blog.
Was ich aber überhaupt nicht verstehe, ist, wie sie dauernd behaupten, es ginge Ihnen nur um den Umstand, dass die Forderung “in einem Schlag” erfolgte. Die Begründung dafür gab ich oben in #11 und #14 Ihnen gegenüber schon zweimal. Sie gingen bisher darauf in keiner Weise ein.
Weiter verstehe ich nicht, dass Sie nicht den Gesamtzusammenhang der Problematik der Verteilungsgerechtigkeit zu sehen scheinen. Zum gegenwärtigen geschichtlichen Zeitpunkt, im gegenwärtigen Entwicklungszustand der gesellschaftlichen und ökonomischen Verfasstheit wird jede Forderung sozialer Verbesserung in einem Einzelsegment gesellschaftlicher Wirklichkeit die Vernachlässigung von berechtigten Forderungen in einem anderen Segment einschließen müssen.
Rein theoretisch betrachtet, würde nur ein revolutionärer Umschwung alle Benachteiligten auf einen Satz in einen gerechten Zustand versetzen können.
Ich ahne, dass eine etwa von mir aufgestellte Forderung nach einem solchen – wie auch immer gearteteten – revolutionärem Umschwung nicht nur bei Ihnen den schärfsten Widerspruch auslösen würde.
Aber überraschen Sie mich und skizzieren Sie Ihre Lösung für allseits gerechte Zustände.
MfG
Uwe Theel
@28, 29
Herrschaften, ich glaube, dass ich mich einfach nicht ausdrücken kann: ok, das hat zur Folge, dass Sie nicht lesen, was geschrieben steht, sondern das, was Sie lesen wollen. Wie geschrieben: meine Schuld – ich bitte um Vergebung, Ihre kostbare Zeit verschwendet zu haben und bedanke mich artig dafür, dass Sie mich – mühsam wie sicherlich auch mit wenig Erfolg – auf den Weg der (Ihrer) Tugend führen wollten.
Schade um das Thema.
Ein schönes Wochenende!
@Haji Gebhardt,
auch ihnen ein schönes Wochenende.
@28, 29, 30, 31
Mir steht der Jeist vor Ehrfurcht still.
Wünsche allerseits aba och een schönet Wochenende.
komme soeben vom nürnberger bahnhof, der vor einigen jahren renoviert wurde.
nur noch konsumzonen, keine einzige bank merh um sich mal hinzusetzen ohne, dass man gleich für überteuertes geld konsumieren muss. die toiletten kosten jetzt auch.
also biite, frage ich, machen die lokführer mit herrn mehdorn endlich das, was dieser mit uns schon lange macht, nämlich das leben schwer, so dass auch endlich er mal geld auspacken muss und nicht immer nur wir als kunden.
das tolle, bei einbem tagelangen toatalsteeik aller lokführer, dass das so ganz nebenbei noch so etwas wäre wie der anfang vom generalstreik, da ja wirklich viel lahmgelegt werden würde, aber dies ist bloss eine randbemerkung.
Der Streit der Bahn wird allmälich wirklich lächerlich. Statt zu verhandeln klagen sie, wechseln die Gerichte, weil sie bei einem anderen bessere Urteile erwarten usw. Es gilt wohl immer noch, wer nicht Recht hat und schon gar keine Argumente aber viel Geld, der geht vor Gericht wo er dann Recht bekommt, egal ob er recht hat. Bedauerlich, dass noch immer die Solidarität mit der GdL fehlt.
@ 34 Jngo Schäfer
“Solidarität mit der GdL fehlt”;
woran das wohl liegen mag?
@kaika,
sagen sie es mir. Offensichtlich sehen sie zum Beispiel keinen Bedarf dafür. Aber vermutlich finden sie streikende Lokführer eh doof, weil die mit “ihrer Klientelpolitik” doch nur die schöne Bahn blockieren und Menschen wie sie an dem tollen Bahnfahren hindern. Schade, ich hoffe, wenn sie der Solidarität bedürfen, dass sie dann damit rechnen können…
@Tell #32
Den Hut nicht zu grüßen, ist eine Heldentat,
über die Hüte der Umstehenden zu spotten ist Niedertracht.
Sie jonglieren bloß mit fremden Bällen und haben nichts Originäres zu sagen. Ihr großer Auftritt beginnt erst, wenn viele andere viele Stichworte geliefert haben.
Klar und deutlich: Sich Ihnen mit offenem Visier zu nähern führt nur dazu, daß Sie einem in’s Auge stechen.
(Sparen Sie sich das Wortspiel mit dem grauen Star)
Mfg Offen (jetzt geschlossen)
@ 37. Kommentar von: geschlossen,
falls Sie mal wieder offen haben:
können Sie vielleicht nur in diesem Blog meine Beiträge #11, 14, 15, 21 lesen, wo ich sehr detailliert “mit eigenen Bällen” meine Position zur GdL darlegte und in #25 und #29, wo ich Herrn Gebhardt, in Entgegnung auf ihn, klare Fragen und Gesprächsangebote unterbreitete, die dieser inhaltlich nicht beantwortete, sondern seine Postion nur immer
wiederholte, aber nie argumentativ belegte. Zum Ende “stand mir dann der Geist vor Ehrfurcht still” (das heißt auf berlinisch soviel, wie “ich habe es aufgegeben noch weiter zu argumentieren”), als Herr Gebhardt immer noch nur wieder behauptete, dass er die Lohnforderungen der Lokfüher in Höhe von Dreißig Prozent bejahe, diese sie “nur” in Etappen schon in der Vergangenheit hätten fordern sollen, obwohl ich ihm mehrfach zu erklären versucht hatte, warum dies in der Vergangenheit nicht hatte erfolgen können und warum die Forderungen gerechtfertigt seien.
Klar und deutlich: Wie Sie sich mir anonym aus dem Gebüsch springend nähern und anbellen, empfinde ich als ungehörig.
Genau das ist das Empfinden, welches Sie bei Ihren Lesern hinterlassen: Ungehörig.
So haben Sie es nun selbst empfunden und damit sei’s genug von meiner ausgeliehenen Oberlehrerrolle.
Zurück in’s Sachliche und wenn’s darin bleibt genieße ich Ihre Beiträge mit Freude.
Gruß wieder offen
@ 36 Ingo Schäfer;
finden sie das was die GDL zur zeit macht, bzw. fordert, als solidarisch? wäre es nicht solidarischer, wenn sie ihre “kraft” in solidarität mit den anderen bahnbediensteten einsetzen würde?
die beispiele der piloten und krankenhausärtze seinerzeit zeigt doch, dass das was diese mehr erhielten, dann bei deren kolleg(inn)en eingespart wurde!
Ist also solches “ausnützen” von “stärke” solidarisch?
@ 40. Kommentar von: kaika
Ich habe es in den zwei Eisenbahnerblogs schon mehrfach versucht zu erklären:
Wenn man fordert, die GdL solle Solidarität mit anderen üben stellt man die Sachlage auf den Kopf, mißachtet die wahren und aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse.
Der DGB als Einheitsgewerkschaft, hat zugunsten der großen Tarifbereiche (IGM, etc) seit vielen Jahren die Solidarität mit der Gesamtheit der abhängig Beschäftigten gekündigt und ist der herrschenden Politik von Lohnzurückhaltung und Hoffen auf (falsche) Arbeitsplatzzusagen und (scheinbare) Konjunkturaufschwünge gefolgt. Die Folge : Realllohnverzicht in allen Branchen seit ca. 1980 in zweistelliger Prozentratenhöhe.
Dass der DGB und die SPD dabei real existierende Erwerbslose, Arme und Geringverdienende (neudeutsch: Prekariat) längst abgehängt haben ist der Skandal. Von DGB und SPD ist Solidarität zu fordern.
Die Beispiele Piloten, oder Ärzte sind sind hier gar nicht nutzbar: Bei Beiden handelt es sich um, gelinde gesagt “Besserverdienende”, die Ihre “Forderungen” mehr als Ständevertretung, denn als Gewerkschaft stellen und nie Mitglied im DGB waren oder sein werden.
Lohnforderungen brauchen eine starke einheitliche Gewerkschaftsbewegung mit Anbindung an eine wirkende politische linke Kraft im Parlament (war mal die SPD). Das ist zur Zeit Vergangenheit und nicht die Schuld einer kleinen Gewerkschaft, wie der GdL.
Was würden Sie denn als Lokführer machen, Herr Kaika? – Herr Schäfer fragte Sie schon einmal: Was wäre, wenn Sie der Solidarität anderer bedürften?
@ 40. Kommentar von: kaika
in Fortsetzung von #41. Uwe Theel:
Naturlich ist nicht nur von DGB und SPD Solidarität mit den in Frage stehenden Menschen zu fordern, sondern gleichzeitig und ungleich nachdrücklicher ist die Einlösung des Grundgesetzgebotes “Eigentum Verpflichtet” (zur Schaffung von Arbeitsplätzen z.B.) gegenüber den Besitzern der Produktivkräfte zu fordern; das schließt dann die politischen Kräfte CDU/CSU und FDP und gute Teile der Grünen mit ein.
@ “Solidarität”;
und ich bleibe dabei; nur in der gemeinschaft mit den anderen bahngewerkschaften, kann die stärke der sonderstellung der lokführer ihnen selbst und den kollegen helfen.
sonderwege schwächen alle!
@ 43. Kommentar von: kaika
Die GdL geht keinen Sonderweg, sondern den einzigen Weg, der Ihr bleibt – diesseits eines Generalstreiks, den aber nur der DGB, SPD, DIE LINKE, DIE GRÜNEN praktisch organisieren könnten, was sie bis auf DIE LINKE nicht tun werden -. Eine, wie zwei Bahngewerkschaften mit 4,5%-Forderung wären nichts als Erfüllungsgehilfen der Lohnverzichtspolitik des gegenwärtigen DGB&Co. im Sinne der gegenwärtigen Regierung.
Außerdem: Was hilft z.B. den berühmten Friseusen in Ostdeutschland, eine 4,5%-Lösung für die Lokführer. Hätten die Lokführer dann Solidarität mit den Friseusen geübt? Auf dieser Ebene der Diskussion werden Sie nie weiter kommen.
Es tut mir leid, aber Sie beten nur die Auffassung konservativer Kräfte in dieser Gesellschaft nach, denen es in Wahrheit um die Wahrung der Profitinteressen der Kapitaleigner geht. Sie vertreten in keiner Weise die Interessen der Benachteiligten, oder glauben Sie wirklich, dass 4,5% gerecht sind, wenn man in den letzten 10 Jahren 10% unschuldig verloren hat und sowieso am unteren Ende sitzt?
Halten Sie die Verteilung des Reichtums in dieser Gesellschaft für gerecht? Was sind Ihre Vorschläge, für eine Änderung? Lassen Sie sich auch mit Brosamen abspeisen?
Glauben Sie allen Ernstes der “Hauptweg” des Neoliberalismus hätte “alle” gestärkt?????
Sie werden wieder keine meiner Fragen beantworten und im nächsten Kommentar die Stereotypen der “herrschenden Le(e)(h)re” weiter bewußtlos nachsprechen, ohne zu verstehen.
@Kaika,
die GdL hätte sich doch gefreut, wenn die anderen Bahngewerkschaften sich mit ihnen zusammen für 30Prozent mehr Lohn eingesetzt hätten. Stattdessen haben sie nach Ansätzen eines Warnstreiks dem Herrn Mehrdorn sein Profitinteressen vor einen langen Arbeitskampf gestellt. Denn, das zeigt nun der Konflikt zwischen Bahn und GdL, der vor allem von Herrn Mehdorn vor Gericht gezerrt wird, anstatt eine Einigung zu erzielen. Auch liegt der letzte Streik bei der Bahn nun schon 10 oder 15 Jahre zurück.
Deswegen würde ich Herrn Theel rechtgeben und sagen, Ärzte und Pilot wollten sich über ihre Kolleginnen Stellen, die GdL will schlicht eine höhere Lohnsteigerung haben. Wenn mich nicht alles täuscht würde sie diese auch den anderen Gewerkschaften zu teil werden lassen.
Am Rande, da ich momentan viel unterwegs bin, schreibe ich nur unregelmäßig. Wird bald wieder besser… Versprochen
@ Jahooda: Entschuldigung, Ihr Pingback zerschießt unser Layout. Deshalb hier manuell der Rücklink zu Ihrem Beitrag: http://www.jahooda.org/?p=303